Einfache Botschaft, schwer vermittelbar

Der Online-Vermarkterkreis (OVK) hat 2009 einen Zuwachs der Onlinewerbung gegenüber Vorjahr um 12 Prozent konstatiert. Das hat der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) mit Pressemitteilung und 19-seitigem OVK-Onlinereport mitgeteilt. Zwar hat die Meldung Resonanz auf vielen einschlägigen Newsportalen gefunden (kress.de,  absatzwirtschaft.de, internetworld.de), allerdings habe ich in den heutigen Zeitungen nur einen Artikel in der Financial Times Deutschland entdeckt: “Onlinewerbung verdrängt Anzeigen in Zeitschriften”. Woran mag das liegen?

Deckblatt OVK Online-Report 2010

Im Gegensatz dazu haben heute sogar der österreichische Standard und die Schweizerische Neue Zürcher Zeitung kurze Artikel gebracht. Liegt die teilweise Ignoranz deutscher Printverlage also vielleicht an der Meldung selbst, dass die Botschaft nicht gerne gehört werde, wonach Publikumszeitschriften bereits deutlich überholt wurden und daher auch die Tageszeitungen diese unschöne Neuigkeit ihren Lesern lieber verschweigen? Immerhin lässt der Ausblick ebenfalls keine Trendwende erwarten, sondern vielmehr weitere Zuwächse: “Video-Ads weiter auf dem Vormarsch” (nach bereits 160 Prozent Wachstum 2009), heißt es da, “Noch viel Wachstumspotenzial” und “Internet wird kurzfristig zweitstärkstes Medium” (Wachstumsprognose von 14 Prozent für 2010). Der OVK-Vorsitzende Paul Mudter vermutet, dass sich “das Internet in den nächsten zwei bis drei Jahren hinter TV als zweitstärkstes Werbemedium etablieren” wird.

OVK-Grafik Werbemarkt-Verteilung 2009

Oder liegt es daran, dass die Daten wenig übersichtlich aufbereitet sind? So zeigt die obenstehende Grafik (OVK Online-Report, S. 5) zwar die Zusammensetzung des jeweiligen Gesamtwerbemarktes nach Medien, aber hiervon sind weder das tatsächliche Wachstum (in absoluten Zahlen) noch die prozentuale Zunahme der einzelnen Bereiche ablesbar. Zudem stelle ich mir einen Werbekuchen (egal ob brutto oder netto) traditionell doch eher rund vor. Aber gut, es gibt ja auch Kastenkuchen. Jedenfalls hat die FTD aus dieser Grafik eine vereinfachte, meiner Ansicht nach weit anschaulichere erstellt, wonach der Zuwachs der Internetwerbung von 2005 bis 2009 12,1 Prozent beträgt. Ob das so nun stimmt, kann ich auf die Schnelle aus der OVK-Darstellung nicht nachvollziehen. Allerdings ist eine solche Grafik für meinen Geschmack sehr viel leserfreundlicher, da sie gleichzeitig auf eine einzige Aussage reduziert wird. Nur so als Tipp für den BVDW.

FTD, 19.02.10, Grafik zur Veränderung der Werbemarktanteile

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