Wünsche und Ängste in Statistiken verpackt

Dienstag war mal ganz klar Umfragetag. Ich persönlich liebe Umfragen, vor allem die Auswertung, die dann am besten mit einer tollen Kuchengrafik daher kommt. Aber gleich zwei Hammer-Studien an einem Tag!? Mehr als ich erwarten würde. Doch diese Statistiken bieten so etwas wie Sicherheit in einer Welt voller Überraschungen.

Die Welt, 15.09.2010, Titel: Deutsche sehnen sich nach Sicherheit

Passend dazu sprang mir der Titel eines Welt-Berichts von Ilena Grabitz ins Auge, der sich auf die Verbaucheranalyse von Axel Springer und Bauer Media bezieht. Ausschnitte: 19 Prozent der 30.000 befragten geben an eine private Rentenversicherung abgeschlossen zu haben. Die Tendenz sich gegen alle Risiken versichern zu wollen nimmt ab, das Vertrauen der Deutschen in Geldanlagen ist gesunken. Kleine Randnotiz: Das Internet knockt den Zeitschriftenmarkt (dieses mal) nicht aus, das mobile Internet befindet sich vor dem Durchbruch (Kuchengrafiken inbegriffen). Aber was hat das mit Sicherheit zu tun? Vielleicht, dass ich mir sicher sein kann, das Wetter muss so sein wie es ist, weil mir die mobile Internetabfrage bestätigt, dass es so ist? Es muss doch noch einen anderen Grund geben!

Die Welt, 15.09.2010, Titel: Junge Leute glauben an Familie und Internet

Nachdem ich auf die Titelseite der Welt zurückgeblättert hatte, war mir klar, was das Internet (auch das mobile) mit Sicherheit zu tun hat: Es ist ein “Glaubensding”. In ihrem Nummer-eins-Thema erklärt Miriam Hollstein unter Berufung auf die Shellstudie, dass der Anteil der Optimisten unter den 12- bis 25Jährigen wächst. Das gefällt mir! – Dass bei ihnen traditionelle Werte hoch im Kurs stehen (gutes Verhältnis zu den Eltern, eine Familie ist wichtig zum wahren Glück). Da kann ich mit leben! – Dass sogar das politische Interesse wieder leicht gewachsen sei. Das kann ich kaum glauben!

Shell-Studie 2010, "Woran Jugendliche glauben: Drei religiöse Kulturen"

à propos “Glaube”: Der Glaube an die Allverfügbarkeit von Informationen (oder Zerstreuung) durch das Netz muss den in Westdeutschland herkömmlichen Gottesglauben bereits weitgehend ersetzt haben. Interessant bei dieser Grafik nicht nur der Unterschied zwischen Ost und West und der zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund, sondern vor allem, wie der Titel besagt, dass sich in der deutschen Jugend drei religiöse Kulturen ausgeprägt hätten (ganz abgesehen von der jeweiligen Religionszugehörigkeit): eine an einen persönlichen Gott gebundene, eine an “jenes höhere Wesen, das wir verehren” aus Heinrich Bölls “Gesammeltes Schweigen des Murke” gebundene und eine an keinen Gott gebundene!

Insgesamt schwindet die Bedeutung der Religion weiter, außer in der Gruppe junger Migranten. Bedenklich aber auch, dass Jugendliche aus “bildungsfernen Elternhäusern” (wie es heißt) deutlich pessimistischer in die Zukunft blicken und die soziale Kluft wächst. Dabei heißt es doch, dasss der Glaube Berge versetzen könne. Insgesamt gilt aber auch für diese Studie: Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

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