Die Buchmesse ohne mich

Wieder einmal steigt die Frankfurter Buchmesse und wieder einmal werde ich nicht dabei sein. Schade eigentlich… Dabei gibt es sicherlich genug Gründe, mir den sehnlichen Wunsch auszureden: Die Unübersichtlichkeit der Neuerscheinungen – rund 400.000 Bücher und andere Verlagsprodukte werden präsentiert, davon alleine 124.000 Neuerscheinungen! – die Unübersichtlichkeit einer Messe schlechthin, der Umstand dass ich selber (noch) kein Buch geschrieben habe und nicht zuletzt der unglückliche Umstand, dass die offizielle Delegation des Ehrengastlandes China eher Zensur als Meinungsfreiheit vertritt.

 Aufbau des Forums zum Ehrengastland China im 1. Stock unter dem Motto "Tradition und Innovation"

Das Land China präsentiert sich als Ehrengast mit dem Motto “Tradition und Innovation” im 1. Stock des Forums. Bei der offiziellen Eröffnungsveranstaltung zeigten sich nicht nur die Politiker in ihren Ansprachen äußerst diplomatisch, Angela Merkel, Roland Koch und Petra Roth, sondern auch der Buchmessen-Direktor Juergen Boos und der “Vorsteher” des Börsenvereins Gottfried Honnefelder. Wie Uwe Wittstock in seinem heutigen Leitartikel in Die Welt zur Recht feststellt, wurde keine Frage nach dem seit Monaten inhaftierten Bürgerrechtler und Ex-Präsidenten des chinesischen PEN, Liu Xiaobo, gestellt. Wie er zudem bemerkt, bedeuten 500 Veranstaltungen zu China, von denen etwa die Hälfte nicht-chinesische Verlage ausrichten, noch nicht, dass ein Dialog in Gang käme.

Aufbau des Infostandes der Frankfurter Buchmesse im Foyer der Halle 4, Foto: Peter Hirth

Doch auch unabhängig von der konzeptionellen Schwäche – oder besser realpolitischen Konzedenz – bleibt die Chance auf einen repräsentativen Eindruck der gesamten Messe gering. Wo anfangen – wo aufhören? Der Hanser-Verlag scheint eine gute Adresse zu sein, immerhin hat er in den vergangenen vier Jahren gleich drei Literaturnobelpreisträger in Deutschland verlegt: Orihan Pamuk 2006, Jean-Marie Le Clézio 2008 und Herta Müller in diesem Jahr. Die Auflage ihres jüngsten Romans “Atemschaukel” hat der Verlag denn auch spontan von 30.000 auf 80.000 erhöht, wie im Feuilleton der heutigen FAZ zu lesen ist “Schon wieder ein Nobelpreis”.

Interessant wären auch die Bücher “Du stirbst nicht” von Kathrin Schmidt, die dafür jüngst den Deutschen Buchpreis erhielt, “Der Himmel ist kein Ort”, des auch als Literaturwissenschaftler herausragenden Dieter Wellershoff, oder “Pssst! Geschichte meiner Kindheit” von Raymond Federman. Nicht zuletzt zeugt auch der Roman des erst 13jährigen Leander Winkels aus Düsseldorf “Die Blume des Bösen” von einer gewissen Größe. Sogar der angeblich jüngste Autor der Buchmesse wird an einem Tag auf der Buchmesse sein, worauf auch die Welt am Sonntag in ihrem NRW-Teil hinwies.

Agora und Messeturm, Foto: Peter Hirth

Zwar bin ich schon deutlich älter, aber auch mir bleibt immer noch Zeit, in einem der kommenden Jahre die Buchmesse nicht nur von außen zu betrachten. Ich arbeite daran. Und wie mich die FAZ am Sonntag auf ihren Wissenschaftsseiten beruhigte, gibt es offenbar keine Bestsellerformel. So wird der Medienwissenschaftler Werner Faulstich zitiert, während der Literaturtheoretiker John Cawelti dafür bereits vor 40 Jahren die Originalität des Stoffes und die richtige Mischung aus Konvention und Innovation verantwortlich machte. Womit wir wieder bei der diesjährigen Buchmesse wären. Und dass ich nicht dort bin. Vielleicht im kommenden Jahr.

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