Die WamS bedient den Wissenschafts-Boulevard

Kurz bevor die nächte Ausgabe erscheint, noch eine Rückblende auf die Welt am Sonntag von vergangener Woche. Im durchaus seriösen Wissenschafststeil fand ich die doch etwas erstaunliche Meldung über die Eigenart von Wespen, kleine, süße Marienkäfer auszunutzen.

Welt am Sonntag, 31.07.11, Titel: Wespe macht Marienkäfer zu willenlosen Zombies

Zuerst einmal ist einzuschränken, es sind nur die Brackwespen, die so etwas Furchtbares tun. Und dann besteht das Furchtbare darin, dass sie Eier im Bauch von Marienkäfern ablegen. Die Käfer bewachen und ernähren anschließend die heranwachsenden Larven etwa 20 Tage lang, ohne die Marienkäfer zu töten. Darüber haben Forscher unter der Leitung von Frédéric Thomas von den Unis Montpellier und Montréal jetzt in den renommierten “Biology Letters” berichtet.

Übrigens lebt am Ende sogar rund ein Viertel der derart missbrauchten Marienkäfer weiter als wäre nichts passiert. Aber bei aller Dramatik diese höchst interessanten Parasiten-Verhaltens der Wespen halte ich doch die Formulierung von “Zombie-Wächtern” oder gar “Willenlosen Zombies” für bei Weitem übertrieben.

Selbstverständlich bin ich für anschauliche Bilder und publikumsnahe Formulierungen, aber vor allem die Print-Ausgabe mit der Rede von willenlosen Marienkäfern suggeriert, als hätte irgend ein Insekt auch nur den Hauch eines eigenen Willens. Das ist nun einmal totaler Schwachsinn. Insofern: Herzlich willkommen auf dem Boulevard des Wissenschaftsjournalismus!

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