Vielhochzeitstanz aka Social Zapping

Menschen verändern sich, so auch gesellschaftliche Verhaltensweisen. Der neueste Trend ist offenbar die spontane Abkehr davon Verabredungen einzuhalten, weil sich gerade etwas Besseres bietet. Dieses Phänomen hat Christian Bos jetzt auf Seite 1 des Kölner Stadt-Anzeigers behandelt.

Kölner Stadt-Anzeiger, 03.05.12: Freunde zum Wegzappen

Einer dabei nicht näher benannten Umfrage zufolge tendieren ganze Volksgruppen in Europa dazu, gerne mal eine Verabredung unentschuldigt sausen zu lassen, wenn kurzfristig ein besseres Angebot winkt. Demnach sind vor allem Spanier und Iren besonders anfällig für diese Verhaltensweise.

Man könnte das natürlich auch einfach nur “unhöflich” nennen, oder auch als feige oder dumm bezeichnen. Feige dann, wenn etwa schon ein gewisses Unwohlsein in Anbetracht einer vereinbarten Verabredung bestanden hatte. Dumm, weil die versetzte Person vermutlich nicht mehr eben viele mit einem zu tun haben möchte. Wie heißt es so schön? “Man sieht sich immer zwei mal im Leben.”

Zugegeben, ich will das Verhalten nicht durchweg verurteilen. Mir ist das sicher auch schon in den Sinn gekommen, eine Verabredung willentlich zu verpassen, weil ich keinen Bock drauf hatte. Aber mal ehrlich: Ist so ein Umgang mit Menschen o.k.? Da würde in der Arbeitswelt auch nicht viel voran gehen. Für mich gilt da eher der altbekannte Spruch “Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Immerhin gibt es bei einer dringenden Ablenkung ja auch noch gute Ausreden… Christian Bos setzt das Verhalten abschließend in Vergleich zum geistigen Zappen bzw. “sozialen Ausblenden”, wenn wir zwar körperlich an einem bestimmten Ort, aber mental nicht bei der Sache sind. Auch das ist bekannt, zum Teil bedingt durch allgegenwärtige Ablenkungen, zum Teil durch unsere Natur. Vermutlich auch eine Form des Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms.

Früher gab es die Redensart: “Man kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen”. Heute tut man es einfach. Ob das dem eignen Vergnügen oder dem jeweiligen Fest und seinen Gastgebern gerecht wird, ist jedoch mehr als fraglich.

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