The Spirit of Christmas 2009, Part 15

Rezession belastet das rauschende Fest. Oh Schreck! Sollte die Vorfreude auf das Fest durch Anzeichen wirtschaftlicher Schwäche getrübt werden? Ich meine, ganz klar: Nein! Wir sollten die Feiertage und die damit verbundene Erholung, evtl. sogar Einkehr nutzen, um uns über unerfreuliche Entwicklungen zu trösten, um Kraft zu schöpfen und im neuen Jahr neu angreifen zu können. Bei der verdienten Pause im privaten Bereich sollte die Wirtschaftskrise entschieden ausgeblendet bleiben – ohne sie jedoch für die Zeit danach aus dem Bewusstsein zu streichen.

Handelsblatt, 10.12.2009, Titel: Räuchermännchen in Not

Rainer Nahrendorf wird im heutigen Handelsblatt geradezu poetisch, indem er im Untertitel schreibt: ”Die weihnachtliche Volkskunst aus dem Erzgebirge spürt den kalten Wind der Globalisierung”. Dem Artikel zufolge stagniert der Umsatz mit dem Traditionshandwerk seit einem Jahrzehnt, eine vom Freistaat Sachsen geförderte Imagekampagne des “Verbands Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller” hat möglicherweise Schlimmeres verhindert. Die Bezeichnung “Echt Erzgebirge” täuscht gelegentlich darüber hinweg, dass manches in der Tschechichen Republik, in Polen oder Russland hergestellt oder bemalt wird. Allerdings reagieren die Anbieter auch mit neuen Produkten auf die Krise, so z.B. mit einem “Räuchermännchen Wirtschaftskrise” , das mit weit aufgerissenem Mund in einem Fass ertrinkt.

Kölner Stadt-Anzeiger, 10.12.2009, Titel: Briten feiern mit gebremstem Schaum

So richtig leid können einem dagegen derzeit die Briten tun: Wie Barbara Klimke von der Insel berichtet, weichen die früher legendär luxuriösen und frivolen Betriebsfeiern zu Weihnachten einem weitaus bescheideneren Stil – wenn sie den überhaupt noch stattfinden. Waren vor drei Jahren noch 72 Prozent der Unternehmer bereit, Geld für ihre Angestellten auszugeben, sind es mittlerweile nur noch 42 Prozent. Und das sind nicht nur Banken. Eine andere Umfrage belegt, dass mehr als die Hälfte der britischen Firmen mit einer teuren Party bereits ihren Ruf gefährdet sieht.

Das, heißt es weiter, beeinträchtigt in der Folge wiederum einen ganzen Industriesektor: “Hotels und Restaurants, aber auch Kostümverleihe, Floristen und Doppelgängeragenturen”. In Zukunft also weitaus weniger derbe Anekdoten aus der “Party Season”. Dabei sind das doch genau die Momente, von denen viele Mitarbeiter ein ganzes Jahr lang zehren, die ihre Motivation und ihr Zugehörigkeitsgefühl zum Unternehmen steigern. Während vielen “kleinen Leuten” der Spaß gestrichen wird, feiern die Manager im elitären Kreis doch so kostspielig und elitär wie eh und je, wie die Autorin am Ende erwähnt. Da hilft nur eines: Sich privat in der Familie vergnügen. Das ist vielleicht nicht ganz so aufregend, dafür aber von echten Gefühlen getragen.

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