Lesarten der Online-Verbreitung

Folge ich der Veröffentlichung der sozialen Initiative D21, dann ist die deutsche Bevölkerung zweigeteilt, was ihre Akzeptanz und Nutzung des Internets betrifft. Ihre diesjährige Studie “(N)Onliner Atlas 2011” beschreibt die “Nutzung und Nichtnutzung des Internets, Strukturen und regionale Verteilung”. Die Pressemitteilung trägt den verheißungsvollen Titel: “Erstmals nutzen drei Viertel der Deutschen das Internet”. Der Untertitel der Studie legt allerdings eine andere Sichtart nahe:

Kölner Stadt-Anzeiger, 09.07.11., Titel: Digitaler Graben durch deutsche Bevölkerung

Das ist auch der Tenor, der sich durch das erste von zahlreichen Vorworten der Studie des Präsidenten der Initiative Hannes Schwaderer, Geschäftsführer der Intel GmbH, zieht: Rund 18 Millionen Deutsche, das ist rund ein Viertel der Bevölkerung, bleiben dem Internet fern. Dabei handelt es sich vorwiegend um ältere, ärmere und weniger gebildete Menschen. Den “deutlichen digitalen Graben entlang von Alter, Einkommen und Geschlecht” konstatiert auch Hans-Joachim Otto, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

Bei Abiturienten und Studenten liegt die Quote der Surfer bei immerhin (oder doch nur?) 90 Prozent. Die Gruppe ohne Schulabschluss und Lehre ist in diesem Jahr bei einem zuwachs von 5 % erstmals über die 50 Prozent gekommen. Bei den über 70-Jährigen nutzt nicht mal ein Viertel das Internet. Insofern liegt die Vermutung nahe, dass die Internetnutzung mit den Jahren immer weiter zunehmen werde. So hat nach Altersverteilung die Gruppe der 50- bis 59-Jährigen den größten Zuwachs zu verzeichnen. Allerdings spricht die offizielle Pressemitteilung von einer “demografischen Grenze der Internetnutzung”.

Kölner Stadt-Anzeiger, 05.07.11, Die Internetverbreitung in Deutschland

Weniger differenziert liest sich die Kurzmeldung von nur wenigen Tagen zuvor. Laut einer repsäsentativen ARD/ZDF-Onlinestudie hat die Internetnutzung in deustchland demnach erstmals die 50 Millionen-Marke durchbrochen. Hier ist von einem starken zuwachs der über 60-Jäöhrigen die Rede. Zum Vergleich: Die Zahlen der öffentlich-rechtlichen Studie lauten: 51,7 Millionen Internetnutzer, entsprechend 73,3 Prozent der Bevölkerung. Dagegen die Zahlen der Initiative D21: 52,7 Millionen Internetnutzer ab 14 Jahren, entsprechend 74,7 Prozent der Bevölkerung. Trotz einer schlappen Million Nutzer Abweichung dann doch überraschend übereinstimmende Ergebnisse!

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