Wochenend-Presseschau 08-10

Zwei mal die Welt vom Samstag und einmal die Welt am Sonntag sind mir hängen geblieben, was keine Bevorzugung gegenüber anderen Tageszeitungen darstellen soll, sondern lediglich ein Abbild dessen ist, was meine Interessenlage spiegelt. Eine Kolumne von Maxeiner und Miersch zur Abwanderung aus Deutschland, ein Sonntags-Beitrag von Roger Schawinski über die zunehmenden Animositäten zwischen Deutschland und der Schweiz sowie ein Kommentar von Thomas Heuzeroth zu Apples Entscheidung, keine Dividende auszuzahlen.

Welt, 27.02.10, Kolumnen-Titel "Deutsche Fluchten"

Besonders illustrativ in der Kolumne “Deutsche Fluchten” ist der Vorschlag von Maxeiner und Miersch, eine “Kapitalfluchtuhr” zu installieren, entsprechend der bekannten Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler. Alle vier Minuten verlasse ein Deutscher das Land, meist gut ausgebildet auf Kosten des Staates – über die jeweilige Mixtur der tatsächlichen Gründe darf spekuliert werden. Die Steuerflucht spiele bei all denen, die sich bisher nicht selbst angzeigt hätten, neuerdings ebenfalls eine zunehmende Rolle. Bei allem Interesse für die langfristigen Auswirkungen und für Möglichkeiten, den negativen Folgen dieses Trends entgegenzuwirken, beschäftigt mich aber vor allem, wie es den Deutschen im Ausland in der Mehrheit wohl geht. Fühlen sie sich bald nicht mehr als Deutsche? Plagt sie irgendwann das Heimweh? Oder schließen sie mit der deutschen Identität gänzlich und freudig ab?

WamS, 28.02.10, Ausschnitt aus Beitrag von Roger Schawinski

Aus dem Hauptauswanderungsland der Deutschen, der Schweiz, stammt der Beitrag von Roger Schawinski, dem ehemaligen Sat.1-Chef in der Welt am Sonntag: “Deutsche sind vom Mars, Schweizer von der Venus”. Demnach hätten es nicht nur Schweizer in Deutschland, sondern auch Deutsche in der Schweiz extrem schwer – ein Eindruck, den ich bestätigen kann. Weder wird in der Schweiz hochdeutsch gesprochen (sondern Schwyzerdüütsch, dialektal: Höchstoberdeutsch – gegenüber Österreichisch: Niederober-deutsch), noch gleicht sich die Mentalität all zu sehr.

Schawinski spricht konkret von den Erlebnissen, dass er als Manager in Deutschland eine viel stärker hierarchisch aufgebaute Unternehmensorganisation vorgefunden habe, in der einerseits Ansagen erwartet, und andererseits unangemeldete Besuche bei und Gespräche mit Mitarbeitern als peinlich empfunden würden. Gleichzeitig nähme viele Deutsche in der Schweiz weder die kulturellen Unterschiede noch überhaupt schweizerische kulturelle Errungenschaften wahr. In diesem Zusammenhang steht der obige Ausriss. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Schweizer nicht nur die häufig demonstrierte Überheblichkeit der Deutschen stört, sondern ganz besonders ihre Hektik.

Welt, 26.02.10, Kommentar-Titel "Nur Jobs kann sich das leisten"

Ganz ruhig dagegen scheint Steve Jobs seinen Weg der Marktwertsteigerung seines Unternehmens Apple zu verfolgen. Der Aufmacher im Wirtschaftsteil der Welt vom vergangenen Samstag wurde mit einem großen Kleinbuchstaben “i” und drei ebenso großen Fragezeichen dahinter bebildert. “Apple hortet Bares für das nächste große Ding”  ist ein toller Titel für das Unternehmen, das gerade erst das flache Brett “iPad” herausgebracht hat. Im Kommentar meint Thomas Heuzeroth, dass der resolute Unternehmenschef keine Dividende auszuzahlen brauche, weil die Aktie innerhalb eines Jahres von 80 auf 200 Dollar gestiegen sei. Wer braucht da noch Dividende?

Mit milliardenschwerer Kasse sei es leichter wehrhaft zu bleiben, besonders weil Google derzeit fast alles kaufe, was sich bewege. Dividende hingegen bräuchten unter anderem Unternehmen, denen “die Welt verändernden Einfälle ausbleiben, wie beispielsweise bei der Deutschen Telekom, die weiterhin hohe Gewinne ausschüttet.” Apples Investoren gewinnen demgegenüber an der Aktie, die bekanntlich von der Fantasie lebt. Und man mag nun Fan der gestylten Produkte sein oder nicht, aber eine Perspektive wie 25 Apple-Stores innerhalb zweier Jahre in Fernost, die regt die Fantasie nun mal definitiv an. Außerdem will Jobs vielleicht eher selber ein Unternehmen kaufen, als befürchten zu müssen gekauft zu werden.

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