Wahlverwandtschaften im Wandel

Erst tags zuvor gab die Stiftung für Zukunftsfragen eine Pressemitteilung heraus, wonach ein Einstellungswandel in Deutschland um sich greife: “Freunde werden zur Wahlfamilie“. Prompt ist nun in der “Welt” zu lesen:

Die Welt, 25.06.10, Titel: Freunde ersetzen immer mehr die Familie

Wolfgang Opaschowski arbeitet als wissenschaftlicher Leiter der Stiftung des British American Tobacco Freizeit-Forschungsinstituts und bei seiner Arbeit kommen doch immer wieder interessante Details ans Tageslicht, etwa wieviel Prozent der Deutschen Freunde zur “unverzichtbaren persönlichen Lebensqualität” zählen (aktuell mehr als 90%, vor acht Jahren nur mehr als 80%). Der kausale Zusammenhang mit dem demographischen Wandel, dass mehr und mehr Menschen als Singles alt werden, liegt nahe. Schön, dass auch betont wurde, virtuelle Freundschaften (etwa wie auf Facebook) könnten echte nicht ersetzen.

Im Orginaltext (siehe den Link oben) steht sogar: “Wahlverwandtschaften und Wahlfamilien erfahren eine Renaissance.” Damit orientieren wir uns och gerne einmal mehr zum Klassiker der deutschen Literatur zurück, Goethes Wahlverwandtschaften, dem “ersten deutschen Problemroman der deutschen Literatur” (laut verlinktem Text). Das behandelte Problem besteht in geänderter Form noch immer. So viel scheint sich in der Einstellung da doch nicht zu wandeln. Die demographischen Bedingungen allerdings wandeln sich in der Tat. Na dann, bleibt nur mit Reinhard Mey zu sagen: “Gute Nacht, Freunde”!

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Eine Antwort zu “Wahlverwandtschaften im Wandel”

  1. [...] Menschen alleine leben und essen, dass Freunde immer stärker einen Ersatz für schrumpfende oder fehlende Familienbande bieten. Als “soziales Netzwerk zum Essen und Kochen”  bieten sie die technische [...]

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