Die Macht des geführten Griffels

Hatte ich noch vor kurzem an dieser Stelle leichtfertig den aus dem Kartenspiel bekannten Spruch “Wer schreibt, der bleibt” angeführt, so behandelt dieser Eintrag nun dei Macht des handschriftlich geschriebenen Wortes gegenüber dem Tippen auf der Tastatur oder andern modernen Lernmethoden. Jüngst habe ich dazu im Kölner Stadt-Anzeiger eine Kolumne der Rubrik “Universum” von Sabine Etzold entdeckt, die eben um dieses Thema ging.

Kölner Stadt-Anzeiger, 31.01.2011, Titel: Wer schreibt, der merkt sich was

Die Autorin bezieht sich auf aktuelle Studien norwegischer und französischer Forscher (handschriftliche Bearbeitung schlägt beim Lernerfolg das Erfassen über die Tastatur) und von US-Forschern (Abfragen von Stoffen hält mehr in Erinnerung als etwa eine Mind-Map anzulegen). Bei beiden Durchführungen der Studien behielt die klasssiche Lernmethode die Oberhand über der modernen, technikbezogenen Methode.

Die Erklärungen sind noch nicht befriedigend, heißt es weiter, die europäischen Forscher führten den Zusammenhang zwischen Motorik und Kognition ins Feld (mit der Bweegung des Schreibgeräts), die US-Forscher vermuten eine besondere Qualität in der (häufigen) Wiederholung  eines Stoffes, die über das Reproduzieren hinaus gehe und den Lerneffekt vergrößere.

Vielleicht liegt da ein ähnliches Phänomen wie in der Homopathie zugrunde, wo sich durch wiederholte Potenzierung (Verdünnung) von Wirkstoffen ihr Wirkungsgrad erhöht. Vielleicht lösen wir uns in einem esoterischen Sinn durch andauerndes – gebetsmühlenhaftes – Repetieren von Worten (fast wie bei einem Mantra) vom eigentlichen Wortsinn des Gesagten ab und sie gewinnen dadurch eine neue, tiefergehende Bedeutung?  Vielleicht ist es aber auch nur der Stumpfsinn, der regiert, wenn wir immer und immer wieder das gleiche sagen und schreiben.

Sabine Etzold schlussfolgert, für den Schüler lautet die beruhigende Botschaft: Althergebrachte Lernmethoden scheinen wunderbar zu funktionieren, Experimentieren überflüssig. Allerdings: Lernmethoden sind auch immer nur so gut wie der Wille, sie gezielt und konsequent anzuwenden. Insofern Experimentieren auch erwünscht und nicht nur Altes weiterreden und weiterschreiben, donern auch mal etwas Neues wagen, und sei es im Sprachlichen selbst (für meinen Teil arbeite ich auch noch daran).

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