Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Grenzen der Wirklichkeit in „Avatar“

Donnerstag, 21. Januar 2010

Überaus interessant finde ich die vielen verschiedenen Ebenen, auf denen ein Blockbuster der Extraklasse wie James Camerons „Avatar“ für Schlagzeilen sorgt. Einerseits reitet nach wie vor die Kritik aus verschiedenen Lagern auf einzelnen Aspekten des Filmspektakels herum. Andererseits beschäftigt mich nach wie vor die Frage, wie soll das denn eigentlich funktionieren – in den Austauschkörper eines Avatars zu schlüpfen? Zu diesem Thema kommt bereits ein zweiter Kinofilm auf den Markt, „Surrogates“ mit Bruce Willis.

KStA. 20.01.2010: Der Avatar-Film in China

Im Kölner Stadt-Anzeiger vom vergangenen Dienstag berichtet Bernhard Bartsch von den Chinesischen Zensoren, die „Avatar“ nur noch in den 3D-Kinos laufen lassen und damit den Großteil der auch im Reich der Mitte überaus erfolgreichen Vorstellungen grundlos streichen. Als Erklärung dient die Einschätzung des berühmten chinesischen Bloggers Han Han, der zu den im Film gezeigten Vorgängen auf dem Planeten Pandora schrieb: „Eine solche brutale Räumung kann nur auf einem anderen Planeten oder in China stattfinden.“ Auch offizielle Meiden hätten die Diskussion aufgenommen, heißt es weiter, wonach der Film für viele Kinogänger „einen bekannten sozialen Konflikt“ wieder spiegele. Dieses Phänomen könnte ich auch „Grenzen der Wirksamkeit“ benennen. Allerdings verhilft ein Verbot – oder wie hier Teilverbot – einer kulturellen Schöpfung nur noch zu mehr Beachtung oder sogar Ruhm.

Welt, 19.01.2010: Weitere Avatar-Kritik

In der Welt vom vergangenen Montag sammelte Hannes Stein noch einmal verschiedene Kritikerstimmen, allen voran die im obigen Titel zitierte des „Movieguide“. Daneben betonten viele konservative Kritiker, dass sie sich aufgrund der Klischees in dem Film so schrecklich gelangweilt hätten – was ich beim besten Willen nicht glauben kann. Der Autor räumt basierend auf der durchaus pro-amerikanischen Einstellung von Karl Marx im 19. Jahrhundert mit der Behauptung auf, bei „Avatar“ handele es sich um einen linken Film. Vielmehr sei er der politischen Romantik zuzuordnen. Beiden Aspekten widmet die FAZ im heutigen Feuilleton einen ausführlichen Artikel: „Avatar, Vorbild Nummer 1“ (in China, inkl. des Dementis der Filmbehörde, dass die Teilabsetzung nichts mit Propaganda zu tun habe) und „James Cameron, Staatsfeind Nummer 1“ (in den USA, vor allem bei den rechten Kritikern).

Zuletzt geht Hannes Stein in der Welt nochmals auf die Kritik von David Brooks in der New York Times ein (ich hatte berichtet) – die Geschichte der Eingeborenen würde entweder von grausamen oder von einem gutmütigen Imperialisten, aber damit immer fremd bestimmt. Hier mögen die Einschränkungen gelten, dass es sich a) um die messianische Geschichten eines Weißen als menschliche Identifiaktionsfigur für das Kinopublikum weltweit handelt, und dass es sich b) nur um eine fiktionale Geschichte handelt, die zudem noch einen überraschenden Schluss bietet (dieser stellt die unverbrüchlich menschliche Natur der Heldenfigur in Frage, um im Sinne des Betrachters zu fragen: „Möchte ich nicht auch viel lieber ein Na’vi sein?“).

Die Welt, 21.01.2010: Ein Bruce Willis ohne jede Falte

Derweil kommt bereits ein nächster Film in die Kinos, der seinen Helden, diesmal Bruce Willis als FBI-Agent, einmal als perfekten Avatar und einmal als schwächelnden Medienkonsumenten seines virtuellen eigenen Lebens zeigt. Die Comic-Verfilmung nach Robert Venditti bietet sicherlich bei weitem nicht so viel Diskussionsbedarf wie Avatar. Aber auch in diesem Film, bei dem es um eine neue Waffe geht, die zusammen mit einem Avataren auch seinen „Originalmenschen tötet, geht es um das Prinzip, einen anderen Körper einzunehmen. Der General-Anzeiger Bonn bezeichnet ihn als eine „manchmal wirklich spannende, aber unzureichend ausformulierte Parabel“.

Im Film „Matrix“ fasste ich die Vorstellung, die Menschen erleben die interaktive Wirklichkeit nur simuliert, während sie als natürliche Batterien in Brutstationen vor sich hinvegetieren, nur als philosophisches Gedankenexperiment auf. Zum „Avatar“-Prinzip werde ich mich jedoch mit den (pseudo-)wissenschaftlichen Grundlagen des Gedankenexperiments eines Körperwechsels  näher beschäftigen müssen (im gleichnamigen Film auch als „Traumwandeln“ bezeichnet): Wie sollte das überhaupt funktionieren? Allenfalls erinnert es noch an religiöse Vorstellungen des Besitzergreifens von Seelen durch Dämonen. Wo liegen hier die Grenzen der Wirklichkeit? Das lässt mir keine Ruhe.

Hier ein kleines Erklärstück aus dem „News Reel“ zum Streifen „Surrogates – Mein zweites Ich“, der heute in deutschen Kinos startet:

Zeitfragen in der Welt am Sonntag

Sonntag, 03. Januar 2010

„Was ist Zeit?“ fragte Udo Jürgens in der Zeichentrickserie „Es war einmal der Mensch“, die Rolling Stones verbreiteten die Gewissheit „Time is on my side“. Die Zeit hat ein flüchtiges Wesen – gemäß dem alten Witz der Frage nach Uhrzeit: „Das kann ich dir nicht sagen, es wird immer später“. Unabhängig von so wenig reflektierten Allgemeinplätzen thematisiert die Welt am Sonntag ausführlich das moderne wirtschaftliche Problem des Zeitmanagements, im Zusammenhang mit steter Erreichbarkeit und Spam-Flut.

WamS, 03.01.10, Titel: Stoppt die Zeitdiebe

Die Überschrift des Kommentars von Olaf Gersemann erinnert etwas an Michael Endes „Momo“ und die darin vorkommenden Grauen Herren der Zeitbank, die uns unseres Lebens berauben. Das Problem der Massenmails wird etwas aufgebauscht, um den Titel des Wirtschaftsteils anzukündigen: „Der Fluch der steten Erreichbarkeit„. Die Conclusio des Kommentators: Die Gesetzgebung muss klarere und empfängerfreundlichere Regeln für den elektronischen Postverkehr festschreiben.

WamS, 03.01.10, Titel: Die Kunst der Entschleunigung

Auch André Mielke, der regelmäßig auf Seite 1 der Welt am Sonntag seine Glose „Mielke murrt“ verfasst, widmet sich einem Aspekt der E-Mail-Kommunikation, dem für dieses Jahr angekündigten Online-Brief der Deutschen Post. Er skizziert das Zustellprinzip als den Versand eines Mail-Ausdrucks, der andernorts wieder eingescannt und dann per E-Mail verschickt wird. Neben dem Schmunzler über diese Vorstellung bleiben für mich drei Frage bestehen, erstens: Muss das Entfernen der unerwünschten Mails wirklich ein Zehntel der Arbeitszeit einnehmen? Ich bezweifle das, zum einen da sich ihre Zahl durch einige Kniffe deutlich reduzieren lässt, zum anderen da ihr Löschen unmittelbar nach dem Erfassen der Betreffzeile nur eine Sekunde in Anspruch nimmt.

Noch wichtiger jedoch, zweitens: Muss das Prinzip der steten Erreichbarkeit und der steten Leistungsbereitschaft wirklich notwendig Besitz von uns ergreifen? Auch hier gibt es verschiedene Techniken, dies zu verhindern: Handy ausschalten, sich am Wochenende zum Beispiel nicht an den PC setzen, aber vor allem: Prioritäten setzen (vgl. hierzu „Das Warten als Geschenk betrachten„). Und zuletzt, drittens: Was ist denn nun die Zeit?

Der Beantwortungsversuch von Udo Jürgens aus der Trickfilmserie klingt fast wie ein Abgesang auf den Menschen:

Dagegen könnte das moderne Momo-Märchen mit Einschränkung sogar dazu geeignet sein, ein bisschen Mut zu machen:

Einen guten Start ins Neue Jahr!

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Gutes Gelingen bei allen Unternehmungen im Neuen Jahr und im neuen Jahrzehnt! Was interessieren wir uns dafür, wie andere Leute feiern, wenn wir selber in vorzüglicher Feierlaune sind? Vielleicht insofern, als die eigene Feier grundsätzlich die beste sein sollte! Am nächsten Morgen dürfte das Interesse jedoch weitaus geringer sein, wenn uns das Feuerwerk noch in den Ohren summt oder evtl. doch der Restalkohol macht, dass und der Schädel brummt.

KStA, 30.12.2009, Titel Silvesterfestbräuche

Der Kölner Stadt-Anzeiger hat jedenfalls an zwei aufeinander folgenden Tagen unterschielsdiche Neujahrsbräuche thematisiert, zunächst am 30.12. im Reiseteil „Fünf Bräuche aus anderen Ländern“ (obiger Ausschnitt, nachfolgende Links von der Zeitung empfohlen). Hierbei zeigt sich, dass Silvester in China auf den 13. Februar fällt, nach iranischem Kalender wird erst Mitte März zum Frühlingsanfang Neujahr gefeiert, in Thailand fallen die Neujahrsfeiertage auf den 13. bis 15. April, nach dem jüdischen Kalender ist Neujahr in Israel zwischen September und Oktober. Und in Club „Purga“ in St. Petersburg wird jede Nacht nach Mitternacht ein anderes Neujahr nachgefeiert.

KStA, 31.12.2009, Titel Silvesterfestbräuche

Am Silvestertag thematisiert der Kölner Stadt-Anzeiger dann auf S. 2 „Wie andere Länder rund um den Globus das Silvesterfest begehen“. Demnach wird in Griechenland gezockt, in Russland zehn Tage am Stück gefeiert (Wobei Väterchen Frost erst zum 1.1. den Kindern Geschenke bringt), während in Italien rote Unterwäsche zum „Rutsch ins Neue Jahr“ gehört. Während in Großbritannien mit der Ausnahme des großen Feuerwerkes am Londoner Riesenrad wenig geböllert wird, sind hier die Argentinier bei sommerlichen Temperaturen die Vorreiter.

Hierzulande setzen wir eher auf Parties mit Essen, Trinken, Musik hören oder Fernsehen. Was auch immer jeder einzelne getan haben mag, möge er sich gut erholen und frisch gestärkt ins Neue Jahr starten!

Kurz vor Silvester

Dienstag, 29. Dezember 2009

Jahreswechsel

Tagwerk, Termine, Richtiges
rücken in den Hintergrund.
Du hältst vermehrt den Mund,
es geht um Wichtiges.

Freunde, Familie, Verwandte,
alle werden gern bedacht
zur stillen Heiligen Nacht,
der kindlichen Konstante.

Nadeln, Kerzen und Geschenke,
Freude in Gesichtern strahlt,
es wird berichtet und geprahlt.
Siehst Du, woran ich denke?

Eiskristalle, klirrende Kälte,
Schnee, auch nur für einen Tag,
das ist, was ich zum Wärmen mag,
als ob das dritte Gebot gälte.

Teure, tröstende Tradition
Erinnerung an einst.
Weihnachten, das Du meinst,
gelingt Dir schon…

Der Weihnachtsbaum 2009

The Spirit of Christmas 2009, Part 24

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Die besten Weihnachts- und Neujahrswünsche!

Frohes Fest! – Gute Laune! – Genießen, aneinander denken und Zeit füreinander haben, das ist schon fast Luxus. Immerhin ist ein bisschen was von der weißen Pracht noch verblieben, sodass – zusammen mit ein paar Geschenken – kaum noch Wünsche offen bleiben sollten. Das obige Foto mit dem glitzernden Schnee stammt übrigens vom vergangenen Adventswochenende auf der Bodensee-Halbinsel Höri. Hier eine weitere Impression von der historischen Marktstätte in Konstanz, auf der alljährlich ein Weihnachtsmarkt mit seinen Buden stattfindet.

Impression vom Weihnachtsmarkt auf der Marktstätte Konstanz

Wer nun noch zu viel Zeit zum Warten aufs Christkind hat, dem sei der nachfolgende TV-Klassiker empfohlen, mehr als 30 Jahre alt, und doch unerreicht: Loriots „Weihnachten bei den Hoppenstedts“.

Zu guter Letzt noch ein Abschiedsgruß vom Weihnachtsmann an einer Hochhausfassade im Kölner Mediapark. Noch einmal: Fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

Weihnachtsmann an einer Hausfassade im Kölner Mediapark

The Spirit of Christmas 2009, Part 23

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Noch einmal schlafen… Die Aufregung steigt! Nachdem die weißen Tage nun weitgehend vorbei sind, freuen wir uns auch auf eine grüne Weihnacht, die die FAZ am Dienstag – allerdings aus Anlass des ökologischen Bewusstseins im Zusammenhang mit dem Weihnachtsfest – thematisiert hat.

FAZ, 22.12.2009, Titel: Grüner die Glocken nie klingen

Dem Beitrag von Henrike Roßbach zufolge spielen diese Gesichtpunkte durchaus eine Rolle, sei es beim Kauf des Christbaums (in Berlin werden die gesammelten Weihnachtsbäume nach dem Fest zu 2.700 Tonnen Holzhackschnitzel verarbeitet und in Heizkraftwerken verbrannt), sei es beim Spielzeug-, aber auch beim Essenskauf (angeblich wird hierbei nicht gespart, warum also nicht gleich regionales Biofleisch ?), sei es bei den obligatorischen Fahrten nach Hause (die Zugfahrt produziert am wenigsten CO2, noch vor dem Autoausstoß liegt der Vergleichswert von Flugreisen).

KStA. 23.12.2009, Titel: Driving home for Christmas

 Im Reiseteil des heutigen Kölner Stadt-Anzeigers beschäftigt sich Clemens Niedenthal mit der „ritualisierten Reise“, die fast jeder zweite Deutsche zu Weihnachten antritt (laut Europcar-Studie). Er bewertet dies als umso erstaunlicher, als „die Solidarität der Sippe längst passé“ ist. Allerdings würden sich „die Lebensweisen der Enkel wieder mit denen der Großeltern“ versöhnen, zudem stehe das Heimkommen für eine in der Moderne ansonsten oft abhanden gekommene Heimat. Insofern sei das Ertragen der Staus auf den Autobahnen und der gedrängten Enge in den Zugabteilen ein Beweis dafür, dass viele Menschen das Richtige tun.

KStA, 19.12.2009, Titel: Hoffen auf die späten Käufer

Am Bestimmungsort angekommen fällt dann vielen auf, dass sie noch etwas einkaufen müssen. Darauf hofft der Handel, da sich das Weihanchtsgeschäft angeblich immer weiter in Richtung Festtage verschiebt, wie Jörg Wagner im Kölner Stadt-Anzeiger vom Diensttag unter Berufung auf den Hauptverband des Deutschen Einzelhandels feststellt. Zeit darüber nachzudenken, was ich denn noch benötige, habe ich ja meist genug, während der von Chris Rea klassisch beschriebenen Fahrt nach Hause.

The Spirit of Christmas 2009, Part 22

Samstag, 19. Dezember 2009

Der Arbeits- und Terminstress sollte mit diesem Wochenende langsam der Freude auf das Weihnachtsfest weichen. Noch fünf Tage! Zeit genug, noch alle Post zu erledigen, alle Einkäufe zu tätigen und alle Geschenke zu verpacken! Dabei, rät uns ein kleiner Artikel aus dem Magazin des Kölner Stadt-Anzeigers, freundlich bleiben!

Kölner Stadt-Anzeiger Magazin, 17.12.2009, Titel: Freundlich beim Weihnachtskauf

Verkäufer würden zunehmend über Beleidigungen, Flüche und achtlosen Umgang  mit noch nicht gekaufter Ware klagen. Was für den Einkaufsvorgang gilt, sollte allerdings erst recht auch im Kreise der Familie gelten: Um Freundlichkeit bemüht bleiben! Wie der im Artikel zitierte Deutsche Knigge-Rat in Bonn feststellt, bleiben ansonsten beim Einkaufen Beratung und Entgegenkommen auf der Strecke. Die beiden Vokabeln lassen sich aufs Familienleben übertragen als Fürsorge und Wohlwollen.

Falls es beim Familienfest aber doch regelmäßig zu Frust und Streit kommt, wäre der einfachste Rat, innezuhalten und zu überdenken, ob ich selbst etwas an der Situation ändern kann. Vielleicht hilft der gute Wunsch, vorgetragen von Nat King Cole im wunderschönen Christmas Song: „Merry Christmas to you!“

The Spirit of Christmas 2009, Part 21

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Konsumstatistiken zu Weihnachten: so üblich wie unnötig. Ich hatte mich schon an dieser Stelle mit Auswirkungen der Rezession aufs rauschende Fest beschäftigt. Allerdings nimmt die Zahl entsprechender Meldungen um die Monatsmitte so stark zu, dass ich sie nun doch nicht ignorieren kann.

FAZ, 12.12.2009 Titel: "Do it yourself" ist wieder gefragt

Spätestens kurz vor den Feiertagen fällt den Behörden wieder ein, dass nun ein „Weihnachtsfrieden“ herrscht, außer wenn im Einzelfall Verjährung droht.  Vermutlich nur eine kreative Art mit der Tatsache umzugehen, dass in der zweiten Dezemberhälfte kaum Personal für Steuerprüfungen vorhanden ist. Allerdings geht die Zahl der Weihnachtsfeiern nicht nur in Großbritannien zurück (s. den obigen Link), sondern auch hierzulande, wie die Jobbörse Stepstone berichtet. Demnach verzichten 22 Prozent aller Unternehmen, die im vergangenen Jahr noch eine Feier durchführten, in diesem Jahr darauf.

FAZ, 12.12.2009, Titel: Wo Weihnachten auf Neujahr fällt

Immerhin ist da ein Lichtblick, dass Deutsche keine Konsumverweigerer sind, wie vergangenen Samstag in der FAZ zu lesen war. Das Weihnachtsgeschäft reißt wieder zuverlässig den Jahresabschluss für einige Einzelhändler raus. Knapp dagegen wird es für die russischen Einzelhändler, wie in derselben Zeitung dargestellt. Anstatt eines Weihnachtsbaumes steht auf dem Roten Platz in Moskau eine „Jahresendzeittanne“ mit rotem Stern darauf. Die russisch-orthodoxen Christen feiern Heiligabend jedoch gemäß Julianischem Kalender erst am 6. Januar. Die Geschenke hingegen werden zu Neujahr verteilt, sodass die dortigen Einzelhändler mit etwas Glück auch noch auf einen besseren Jahresabschluss hoffen dürfen.

The Spirit of Christmas 2009, Part 20

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Pastewka, Poschardt, Ringelnatz – Kölner Stadt-Anzeiger, WamS und FAS mit extremen Positionen. Der Kölner Stadt-Anzeiger bringt an diesem Mittwoch auf der Medienseite ein Interview mit dem Schauspieler und Komiker Bastian Pastewka, dessen Überschrift vom eigentlichen Thema abweicht (das TV-Programm an Heilig Abend) und sich im Interview nicht wieder findet. Der stellvertretende Chefredakteur der Welt am Sonntag Ulf Poschardt beschreibt einen Mentalitätswandel, der sich gleichzeitig als Rückbesinnung auf das Selbstsein erweist. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hingegen überzeugt mich mit dem Abdruck des Joachim Ringelnatz-Gedichtes „Weihnachten“.

ksta.de, 16.12.09, Titel: Weihnachten ist bescheuert

Ausgehend von der Deutschtümelei der Volksmusikanten (die der Interviewte gemeinsam mit Anke Engelke hervorragend persifliert) beschreibt Bastian Pastewka die „Choreographie der Gebräuche“ zu Weihnachten als „sehr deutsch und sehr eigenartig“. Dabei hat sich – das eigentliche Thema des Gesprächs – das Fernsehen längst als fester Faktor in dieser Choreographie etabliert, beginnend bereits vor dreißig Jahren mit dem Klassiker „Wir warten aufs Christkind“ über heutige Volksmusik-Standards (die mir persönlich weitgehend unbekannt sind, da  ich mir das nicht antun kann) bis hin zu den bereits benannten Weihnachtsfilmen.

WamS, 13.12.09, Titel: Advent als kostbare Chance auf Besinnung

Ulf Poschardt plädiert in seinem Leitartikel für „Lebens- und Arbeitstechniken aus dem Mutterland des gut gelaunten Kapitalismus, den USA“, sprich: Handy aus, für die Familie da sein, „seine Anwesenheit und Aufmerksamkeit verschenken“. Ausgangspunkt seiner Analyse ist der ausgeprägte Fleiß der Deutschen vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise, der vor 20 Jahren erreichten Wiedervereinigung und der bereits in der DDR begonnenen „Sakralisierung des Atheistischen“ „Der Advent“, schreibt er, „bewährt sich abseits christlicher Bräuche als wichtiger Ritus.“ Ganz abseits der christlichen Bräuche kann ich diese Zeit der Erwartung aber nicht begreifen. Den Sinn alleine aus einem Gegenstück zum gesellschaftlichen Tempo zu begreifen, wird dem Weihnachtsfest meiner Meinung nicht gerecht.

Da lobe ich mir das Gedicht, das die FAS im Rahmen ihrer Frankfurter Anthologie abdruckt. Ohne auf die dortige Interpretation einzugehen, wird dabei doch eines klar: Weihnachten ist ein Fest der Kindheit, das durch ein Abschneiden von seiner christlichen Herkunft seine Bedeutung verlöre.

Joachim Ringelnatz

Weihnachten

Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
Mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit,
Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle
Schöne Blumen der Vergangenheit.

Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,
Und das alte Lied von Gott und Christ
Bebt durch Seelen und verkündet leise,
Daß die kleine Welt die größte ist.

The Spirit of Christmas 2009, Part 19

Dienstag, 15. Dezember 2009

Der Kölner Stadt-Anzeiger hat in seinem Magazin vom vergangenen Freitag auf die Filmfreuden hingewiesen, die alljährlich mit der Vorfreunde auf das Weihnachtsfest verbunden sind.

Kölner Stadt-Anzeiger Magazin, 11.12.09, Titel Weihnachtsfilme

Die Highlights der Redaktion, die zusätzlich im diesjährigen TV-Programm vertreten sind, lauten unter anderem: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (einer der schönsten Märchenfilme, für mich nicht zwangsläufig mit Weihnachten assoziiert, übrigens ebensowenig wie „Der kleine Lord“ ), „Ist das Leben nicht schön?“, „Wir sind keine Engel“, „Tatsächlich… Liebe“, „Die Muppets-Weihnachtsgeschichte“ und „Das Wunder von Manhattan“. Worauf ich eigentlich gut verzichten kann, ist „Der Grinch“ und „Stirb Langsam“, der an Weihnachten spielt, aber alles andere als eine stille und heilige Nacht thematisiert.

Bei Amazon sind unter dem Stichwort „Weihnachten“ alleine mehr als 600 Resultate zu finden (darunter natürlich einige doppelt). Einer meiner persönlichen Lieblingsfilme zu Weihnachten ist in der Stadt-Anzeiger-Sammlung nicht genannt, „Schöne Bescherung“ mit John Randolph, Randy Quaid, Chevy Chase und Diane Ladd, im Original „Christmas Vacation“ – darin die unglaubliche Beleuchtung des Wohnhauses. Hier sind knapp 6 Minuten im Original zu sehen: