Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

The Spirit of Christmas 2009, Part 18

Sonntag, 13. Dezember 2009

Der Kopf des Briefs aus Engelskirchen

Das Christkind hat zurück geschrieben! Wir haben Post erhalten aus Engelskirchen, welche Freude für die Kinder. Gleich zweimal kam das Schreiben in unserem Haus an. das heißt nichts anderes, als dass das Christkind den Wunschzettel der Kinder erhalten hat. Da kann für das Fest der Feste ja nicht mehr viel schief gehen!

Endedes Briefs aus Engelskirchen

Eine ganze DINA4-Seite lang ist das Schreiben, zwar wortgleich für jeden Empfänger, aber sehr schön und stilsicher formuliert. Nur auf die Frage, ob sie denn die magische Glückswolke beim Öffnen des Briefes entweichen gesehen hätten, antworteten die Kinder mit „Nein“. – „Glück gehabt“, kann ich da für mich nur sagen…

Außerdem im Umschlag mit dem Sonderstempel der Deutschen Post AG ein Bastelbogen und ein kleiner Leporello mit vier Weihnachts-Postkarten. Unten ist ein Motiv zu sehen.

Postkarte aus Engelskirchen

Ich wette darauf, dass die Kinder auch im kommenden Jahr wieder nach Engelskirchen schreiben werden!

The Spirit of Christmas 2009, Part 17

Samstag, 12. Dezember 2009

Schmuck schmückt. Diese geniale Einsicht aus dem Beatles-Filmklassiker „Yellow Submarine“ bedeutet auf Weihnachten angewandt, dass die Grenzen zwischen Kitsch und Kunst doch eng gezogen ist. Ohne auf die Herkunft der unterschiedlichen Bräuche einzugehen, haben sich derer so einige eingebürgert, die die Schlussfolgerung nahelegen, es handele sich beim weihnachtlichen Schmücken um eine Art „Aufrüsten“ oder aber um einen Sport.

Aufgeblasener Weihnachtsmann über einem Kölner Automobil-Teile-Verkäufer

Da gibt es die noch nachvollziehbare „Rudolph, the rednosed reindeer“-Euphorie,

Rudolf mit Schlitten vor Lichtern im Garten

die Tradition, anstelle echter Schneelandschaften ganze Weihnachtsdörfer auf der Kommode aufzubauen,

Der zentrale Marktplatz eines Weihnachtsdorfes

oder auch die Gartengestaltung im Sinne eines beleuchteten „Winter Wonderlands“.

Etwas übertrieben weihnachtlich geschmückter Garten

The Spirit of Christmas 2009, Part 16

Freitag, 11. Dezember 2009

Weiße Weihnachten wahrscheinlich! Beim Lesen dieser Neuigkeit heute morgen im Kölner Stadt-Anzeiger da war ich… wie vom Donner gerührt? Der falsche Ausdruck! Wie vom Blitz getroffen? Triffts auch nicht. Wie in einen Schneesturm geraten? Na ja, fast. Ich fühlte mich zurück versetzt in die kindlich -(nahezu) unschuldige Lage, zur vorweihnachtlichen Stimmung mit Schneefall beglückt zu werden.

Kölner Stadt-Anzeiger, 11.12.09, TiteL: Chancen auf weiße Weihnacht

Sei es der „Weißheit“ des Schnees zuzuschreiben, die für das Unschuldige selbst steht, das Unbefleckte, von Sünden Reine (wie im Märchen Schneewittchen: „Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab, da saß eine Königin an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte, und nähte. Und wie sie so nähte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rote im weißen Schnee so schön aussah, dachte sie bei sich ‚hätt ich ein Kind so weiß wie Schnee, so rot wie Blut, und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen.‘ Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so rot wie Blut, und so schwarzhaarig wie Ebenholz, und ward darum das Schneewittchen genannt. Und wie das Kind geboren war, starb die Königin.“) –

sei es eine Folge der Farbwirkung des alles bedeckenden Weißes selbst – die Schneedecke als Ummäntelung alles Irdischen und Gleichmacher wie sonst nur der Tod – der Schnee jedenfalls sorgt als „spiritueller Katalysator“ für andachtsvolle Momente – ganz im Sinne des „Spirit of Christmas 2009“. Passend dazu eine Aufnahme, knapp vier Jahre alt, mit hohem Schnee auf Rosenkugeln im elterlichen Garten in Radolfzell.

Schneegarten in Radolfzell, Anfang 2006

Daher wünsche ich mir – so kitschig es auch klingt – wie Bing Crosby gemeinsam mit Marjorie Reynolds im Film „Holiday Inn“ (1942) „White Christmas“, komponiert von Irving Berlin. Übrigens hatte ich anfangs durchaus Zweifel, ob dieses Lied tatsächlich in meine lose Reihe der vorweihnachtlichen Impressionen passen kann. Doch diese Zweifel lösten sich nach dem ersten Hören auf.

The Spirit of Christmas 2009, Part 15

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Rezession belastet das rauschende Fest. Oh Schreck! Sollte die Vorfreude auf das Fest durch Anzeichen wirtschaftlicher Schwäche getrübt werden? Ich meine, ganz klar: Nein! Wir sollten die Feiertage und die damit verbundene Erholung, evtl. sogar Einkehr nutzen, um uns über unerfreuliche Entwicklungen zu trösten, um Kraft zu schöpfen und im neuen Jahr neu angreifen zu können. Bei der verdienten Pause im privaten Bereich sollte die Wirtschaftskrise entschieden ausgeblendet bleiben – ohne sie jedoch für die Zeit danach aus dem Bewusstsein zu streichen.

Handelsblatt, 10.12.2009, Titel: Räuchermännchen in Not

Rainer Nahrendorf wird im heutigen Handelsblatt geradezu poetisch, indem er im Untertitel schreibt: „Die weihnachtliche Volkskunst aus dem Erzgebirge spürt den kalten Wind der Globalisierung“. Dem Artikel zufolge stagniert der Umsatz mit dem Traditionshandwerk seit einem Jahrzehnt, eine vom Freistaat Sachsen geförderte Imagekampagne des „Verbands Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller“ hat möglicherweise Schlimmeres verhindert. Die Bezeichnung „Echt Erzgebirge“ täuscht gelegentlich darüber hinweg, dass manches in der Tschechichen Republik, in Polen oder Russland hergestellt oder bemalt wird. Allerdings reagieren die Anbieter auch mit neuen Produkten auf die Krise, so z.B. mit einem „Räuchermännchen Wirtschaftskrise“ , das mit weit aufgerissenem Mund in einem Fass ertrinkt.

Kölner Stadt-Anzeiger, 10.12.2009, Titel: Briten feiern mit gebremstem Schaum

So richtig leid können einem dagegen derzeit die Briten tun: Wie Barbara Klimke von der Insel berichtet, weichen die früher legendär luxuriösen und frivolen Betriebsfeiern zu Weihnachten einem weitaus bescheideneren Stil – wenn sie den überhaupt noch stattfinden. Waren vor drei Jahren noch 72 Prozent der Unternehmer bereit, Geld für ihre Angestellten auszugeben, sind es mittlerweile nur noch 42 Prozent. Und das sind nicht nur Banken. Eine andere Umfrage belegt, dass mehr als die Hälfte der britischen Firmen mit einer teuren Party bereits ihren Ruf gefährdet sieht.

Das, heißt es weiter, beeinträchtigt in der Folge wiederum einen ganzen Industriesektor: „Hotels und Restaurants, aber auch Kostümverleihe, Floristen und Doppelgängeragenturen“. In Zukunft also weitaus weniger derbe Anekdoten aus der „Party Season“. Dabei sind das doch genau die Momente, von denen viele Mitarbeiter ein ganzes Jahr lang zehren, die ihre Motivation und ihr Zugehörigkeitsgefühl zum Unternehmen steigern. Während vielen „kleinen Leuten“ der Spaß gestrichen wird, feiern die Manager im elitären Kreis doch so kostspielig und elitär wie eh und je, wie die Autorin am Ende erwähnt. Da hilft nur eines: Sich privat in der Familie vergnügen. Das ist vielleicht nicht ganz so aufregend, dafür aber von echten Gefühlen getragen.

The Spirit of Christmas 2009, Part 14

Dienstag, 08. Dezember 2009

Nachdem wir das Nikolaus-Fest glücklich hinter uns gebracht haben, gilt die Konzentration nun ganz klar: Weihnachten. Allerdings machen es uns die Amts- und Würdenträger nicht gerade leicht mit dem Glauben. So hat laut Süddeutscher Zeitung von gestern der Münchner Erzbischof Reinhard Marx den Weihnachtsmann als kapitalistisch herabgewürdigt, wohingegen er den historischen resp. heiligen Nikolaus als segensbringend hervorhob. Wie Hans Holzhaider in der Rubrik „Mitten in Bayern“ bereits bemerkt, ganz zu unrecht, da der Weihnachtsmann vom angelsächsischen „Santa Clause“ abstammt, dem heiligen Nikolaus eben.

WamS, 06.12.09, Titel: Weihnachtsmann

Ganz zu schweigen von dem ebendort genannten Diplomtheologen Manfred Schnabel, der von den Eltern fordert, den Glauben nicht auf einer Lüge aufzubauen und ihren Kindern zu beichten, dass nicht das Christkind die Geschenke bringt. Einen Wunschzettel sollen sie dennoch schreiben und ihn auf die Fensterbank legen, damit ihn ein Engel mitnehmen kann. Da ist das Sinnbild, dass wir uns in Gedenken der Geburt von Christus als des Erlösers beschenken, doch weitaus realer. Zudem gibt es für die Wunschzettel acht Weihnachtspostämter bundesweit!

Lassen wir also all diese Glaubensfragen beiseite und postulieren wie die Welt am Sonntag: Da ist er, der Weihnachtsmann (s. eingescannter Titel)! Dr Schweizer Johann Wanner steht dem Basler Unternehmen „Weihnachsthaus“ vor, stellt Christbaumschmuck her und handelt damit. Warum er das Schmücken eines Weihnachtsbaumes für verantwortungsvoller hält als das Ankleiden einer Frau, hängt für ihn damit zusammen, dass es sich um eine „Opfergabe an die Natur“ handelt. Was man von einer Frau, außer in Zusammenhängen wie etwa bei King Kong nicht gerade sagen kann. Schöner Weihnachtsmann, der Geschäfte macht und sich als Couturier bezeichnen lässt.

Aber mit den australischen Weihnachtsmännern beispielsweise ist momentan gar nichts zu holen (bzw. zu bekommen). Sie sind nämlich aus Wut über neue Steuergesetze in den Streik getreten. Wer als Rentner im Weihnachtsmann-Kostüm sein Auskommen aufbessern möchte, dem drohen Kürzungen der Sozialleistungen! Aber auch dieses unerfreuliche Zwischenspiel auf dem Weg zum besinnlichen Fest kann uns den unerschütterlichen Glauben nicht nehmen! Die Engel, der Weihnachtsmann, das Christkind kommen und bringen die Geschenke. Hier der Lied-Klassiker in der Version der Supremes.

The Spirit of Christmas 2009, Part 13

Sonntag, 06. Dezember 2009

Doppelter Grund zum Feiern! Heute ist 2. Advent und Nikolaus. Im Gartencenter erklärte die achtjährige Schwester ihrem vierjährigen Bruder: „Dieser Nikolaus ist nicht der echte!“ Der echte ist vielmehr derjenige, der über Nacht den Nikolausstrumpf gefüllt hat, also der, den es nicht gibt. Hingegen ist der reale Nikolaus aus Fleisch und Blut mit Bischofsstab und -mütze keinesfalls der richtige. Das widerspricht aller kindlichen Erfahrung und Phantasie!

Kölnische Rundschau Magazin, 05.12.09: Kampf der Giganten

Die Kölnische Rundschau hat in ihrem Wochenend-Magazin die verschiedenen Figuren einmal mehr gegeneinander abgegrenzt. Während in den früheren Generationen doch zuverlässig in den meisten deutschen Gegenden das Christkind die Geschenke brachte, hat es heute der Weihanchtsmann strak verdrängt, vermutlich stark unter dem Eindruck des amerikansichen Santa Clause. Dieser hingegen gemahnt rein sprachlich an die Figur mit dem historischen Hintergrund, den Bischof Nikolaus aus der heute in der Türkei liegenden Stadt Myra.

Gleichzeitig hat dagegen Knecht Ruprecht als „Angstmacher“ weitgehend ausgedient. Die Drohung mit den schlechten Taten, die einer Geschenkeorgie im Wege stehen könnte, zieht kaum mehr. Im Magazin-Beitrag der Kölnischen Rundschau stellt der betreffende Autor fest, dass es Ruprecht wohl weniger um die Strafe gegangen sei (er schlug nämlich nie zu, auch nicht bei den wirklich bösen Kindern), sondern vielmehr um die Angst vor der Bestrafung, sprich das schlechte Gewissen. Je nach Region hat der „Bad cop“ (in Begleitung des „Good Cops“ Nikolaus) auch andere Namen.

Jedenfalls lässt sich anlässlich des heutigen zweifachen Festtages (jedenfalls für Kinder) nicht verleugnen: „Es fängt an, nach Weihnachten auszusehen“, wie Perry Como in einem Weihnachtsspeccial im US-Fernsehen schon 1958 sang:

The Spirit of Christmas 2009, Part 12

Freitag, 04. Dezember 2009

Computerspiele sind von den Wunschzetteln heutiger Kinder nicht mehr wegzudenken; die Kölnische Rundschau hat Anfang der Woche darüber berichtet. Daran habe ich grundsätzlich nicht viel asuzusetzen, so lange das Spiel im virtuellen Raum nicht überhand nimmt bzw. das echte Spielen weitgehend verdrängt. Denn die Weihnachtszeit und der Winter sind doch gerade die Zeit des Spielens.

Kölnische Rundschau, 01.12.09: Frohes Fest mit Maus und Joystick

Eine Bekannte erzählte mir heute bezeichnender Weise von einer Fernsehsendung, in der sich eine Familie für den Versuch zur Verfügung stellte, an einem Wochenende auf Fernsehen, Radio und Computer zu verzichten. Langeweile stellte sich ein. „Wir können ja ein Spiel spielen“, war dann eine erste kreative Idee. Eine zweite: „Wir könnten ja auch ein Buch lesen – wenn wir eins hätten.“ Dieser Umstand löste bei der Bekannten beinahe ein Entsetzen aus: Wie ist das möglich? Vor allem, wenn es um eine Familie mit kleinen Kindern geht! Lesen die Eltern nichts vor, finden auch die Kinder schwerer ihren Weg zum Lesen.

In der Familie meiner Eltern waren Buchgeschenke zu Weihnachten immer schon ein Klassiker, meist mit Widmung und gutem Wunsch vorne drin. Teilweise sind auch Aufkleber vorne drin, „Ex libris“ oder „Dieses Buch gehört…“. Das hat sich in meiner Familie fortgesetzt. Ein anderer schöner Spruch vorne in einigen Kinderbüchern ist: „Sei lieb zu diesem Buch!“ Das legt nahe, dass Bücher ein Eigenleben entwickeln; wie im realen Leben verschwimmen mit der Zeit die Erinnerungen an ein Buch. Dafür steht auch der Slogan „Bücher sind Freunde fürs Leben“. Das macht das Wiederlesen zu einem neuen Erlebnis. Selber ein Buch zu lesen ist auch eine ganz andere Erlebniswelt als sich einen Film anzusehen. Nicht zu vergleichen sind auch die Erfahrungen, in einem Buch oder in einem Videospiel die „nächste Ebene“ zu erreichen.

In einem kölschen Kinder-Weihnachtslied vom „Hillije Mann“ heißt es: „www Punk hillijemann, / wo ich mir alles wünschen kann, /de schönste sick im Internet / Doppelklick, ich wünsch mir jett.“  (bei der unbekannten Maus handelt es sich übrigens um die Diddlmaus). Die virtuelle Realität weckt neue Wünsche. Jedoch gilt immer noch, was mein Vater immer sagte: „Ihr könnt Euch alles wünschen!“ – aber wir kriegten keinesfalls immer alles. – Wer die Wahrheit erfahren möchte, wie es sich mit dem Weihnachtsmann und den Spielsachen wirklich verhält, möge sich nachfolgende Lesung des „Interviews mit dem Weihnachtsmann“ ansehen. Viel Spaß!

The Spirit of Christmas 2009, Part 11

Donnerstag, 03. Dezember 2009

Die Weihnachts-Beleuchtung nimmt allenthalben zu, die Temperaturen nehmen ab. In Bayern hat es immerhin schon geschneit. Leider ist es im Rheinland weder kalt noch bergig, daher ist in nächster Zeit mit Schnee nicht zu rechnen. Immerhin haben wir dafür wundervoll geschmückte Häuser, sogar auf der eigenen Straße.

Weihnachtlich geschmücktes Hutzelhäuschen in Köln

In zehn Tagen soll es wohl kälter werden. Vielleicht wirds ja doch noch was mit „White Christmas“. Aber statt des allseits bekannten Klassikers hier eine originelle Version eines anderen Liedes von Bob Lido aus einer Christmas Show von 1963, also immerhin 46 Jahre alt. Der damals wahrscheinlich geradezu anarchische Humor wirkt heute doch etwas altbacken, aber dennoch: Viel Spaß!

The Spirit of Christmas 2009, Part 10

Dienstag, 01. Dezember 2009

24 Türchen, und was dahinter steckt… – Der Refrain des Kinderliedes von Rolf Zuckowski verbirgt außer der Frage nach der Herkunft des Brauches vom Adventskalender auch die Frage nach der gesellschaftlichen – oder auch wirtschaftlichen – Relevanz des Brauches.

FAS, 29.11.09, Titel des Spezials: 24 Geschenke

In der Sonntags-FAZ werden (ähnlich wie bereits zuvor im Kölner Stadtanzeiger, texthilfe.de berichtete) daher Geschenke-Tipps gegeben („Und wer jetzt meint, dass das alles ein konsumistischer Wahnsinn sei, der mit dem Sinn des Weihnachtsfestes so wenig zu tun habem, wie mit der Freude daran, anderen eine Freude zu machen, dem sagen wir: Stimmt ganz genau!“), augenzwinkernd immerhin. Auch die Welt am Sonntag konstatiert im NRW-Teil über der bedeutungsschwangeren Überschrift: „Erst eins, dann zwei…„: „Für den Einzelhandel beginnen jetzt die wichtigsten Wochen des Jahres.“ Guido Hartmann hat dabei jedoch eine spezielle Käufergruppe im Visier: „Vor allem über die zahlreichen Weihnachtsmärkte sollen ausländische Gäste in die Stadt gelockt werden. Die meisten kommen aus den Niederlanden.“ Mit „der Stadt“ ist hier die Landeshauptstadt gemeint – das gilt jedoch für viele anderen NRW-Städte ebenso.

WamS, 29.11.09, Titel im NRW-Teil: Erst eins, dann zwei...

Die Überraschung dann aber doch im Magazin des heutigen Kölner Stadt-Anzeigers. Während der Aufmacher lautet „Falten, schneiden, kleben – Ideen für die Vorweihnachtszeit. Kinder basteln für die ganze Familie“, kommt auf Seite 5 das Interview mit dem Philosophie-Professor Peter Heintel von der Universität Klagenfurt auf den Punkt: „Das Warten als Geschenk sehen“ (noch nicht online). Während das am Sonntag begonnene Kirchenjahr gleich zu Beginn auf die bevorstehende Ankunft des Herrn wartet und diese feiert, leben Kinder, so Heintel, „in einer Dauererwartung. Als Erwachsene empfinden wir das Warten dagegen als etwas Unangenehmes“.

Kölner Stadt-Anzeiger Magazin, 01.12.09, Titel: Das Warten als Geschenk sehen

Der Professor hat unter anderem deswegen bereits 1990 einen „Verein zur Verzögerung der Zeit“ gegründet. Mittlerweile mehr als 1.000 Mitglieder „streben neue Formen des Umgangs mit der Zeit an“, ebenso gegen blinden Aktionismus wie vermutlich auch gegen Konsumismus gerichtet. Der Verein wendet sich gegen die reduzierte Sichtweise der Zeit „nur noch als Messgröße für Arbeit und Leistung“. Dabei geht es gerade in der Vorweihnachtszeit auch darum, Zeit verstreichen zu lassen, beim Warten (möglicherweise auch unangenehme) Gedanken zuzulassen, sprich das Warten als Geschenk aufzufassen. Als Instrument der Selbsterziehung empfiehlt Peter Heintel, über einen Monat ein Zeittagebuch zu führen.

Am Weihnachtstag selbst bin ich, wie viele andere Kinder meiner Generation und danach, oft vor der Fernsehsendung „Wir warten aufs Christkind“ gesessen. Das ist zwar keine vorbildliche, aber eine bezeichnende Übung. Mit selbst kommt es in diesem Jahr genau so vor, als würde ich die Weihnachtszeit als eine Zeit zum Innehalten wenn nicht benötigen, dann aber doch sehr begrüßen. Zeit zur Reflektion zu haben, zur Standortbestimmung und zum Denken an andere. Vielleicht ein anderer Aspekt des Christuswortes aus dem Matthäus-Evangelium „Werdet wie die Kinder“. Daher an dieser Stelle unvermeidlich nun auch das eingangs erwähnte Kinderlied von Rolf Zuckowski „Kleine Kinder, große Kinder“.

The Spirit of Christmas 2009, Part 9

Sonntag, 29. November 2009

Zum 1. Advent hier ein Weihnachtsgruß der Douglasie. Der künstliche Nadelbaum stammt zweifellos wie viele seiner echten Artgenossen aus Nordamerika und hat unsere Familie über einen Arbeitskontakt erreicht. Solange die Kinder noch kleiner waren, fürchteten sie sich zeitweise vor dem laut singenden Nadelgehölz, ein Phänomen ähnlich dem Weihnachtsmann-  oder Nikolaus-Effekt. Inzwischen hat sich dieser kleine Kunstbaum aber zum festen Kitschrepertoir unserer Vorweihnachtszeit entwickelt.

Was auch immer an Douglasien so besonders ist: ihre Höhe von bis zu 60 Metern in Europa und mehr als 100 Metern in den USA, ihr Höchstalter zwischen 400 und 1.400 Jahren oder einfach die Tatsache, dass sich ihre Wurzeln herzförmig ausbreiten – all das hat dieser Zeitgenosse unserer Advenstzeit nicht. Sein Name ist „Douglas Fir“ – bitte nicht als Douglas-Tanne, Douglas-Fichte oder Douglas-Kiefer bezeichnen, er ist eine Douglasie (die zwar zur Gattung der Kieferngewächse gehört, aber strenggenommen keine Kiefer ist)! Seine Funktion umfasst abwechselnd zwei pentrante Lieder in breitem Amerikanisch, die durch eine Lichtschranke ausgelöst werden. Nur gut, dass er auch einen Aus-Schalter hat!

Eine fröhliche Adventszeit und ein stimmungsvolles Einschwingen auf den „Spirit of Christmas 2009“! Die erste Kerze auf dem Adventskranz brennt, jetzt beginnt bald die Zeit der „24 Türchen“, aber dazu wird es sicher einen neuen Eintrag geben.

Die 1. Kerze auf dem modernen Adventskranz brennt