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Aus Leseratten werden Brillenschlangen

Freitag, 11. Februar 2011

Lesebrillen gelten für viele Mencvhen als ein untrügliches Zeichen des Alterns. Das hat jetzt eine Umfrage der Apotheken-Umschau ergeben. Fast noch interessanter als die Meldung selbst, ist der Weg, auf dem sie ihren Weg hierher gefunden hat: Von der Internetseite der altehrwürdigen „Rentner-Bravo“ über die Tageszeitung wieder zurück ins Internet, mit jetzt schon zwei Tagen Zeitverzögerung. Aber natürlich auch: Durchs Lesen!

Kölner Stadt-Anzeiger, 11.02.11, Titel: Lesebrille gilt für viele als Altersanzeichen

Da Lesen ja allgemeinhin als bildend gilt und es auch einen sehr amüsanten Zeitvertreib darstellt (ist es nicht lustig, wenn Leute mit hochrotem Kopf oder plötzlich laut lachend in eine Lektüre vertieft sind?), wäre es doch jammerschade, wenn diese Tätigkeit mit zunehmenden Jahren nachlassen würde. Dafür gibt es bekanntlich Lesebrillen. Da kann man noch und nöcher Prozent Sehschärfe haben, abends lässt mit zunehmendem Alter einfach schon mal die „Spannkraft“ der Augen nach. Da helfen schon Billigbrillen im Drogeriemarkt „Over the Counter“ wie man so schön sagt, besser ist sicher mal eine Untersuchung beim Augenarzt.

Aber zurück zur Studie: Etwas mehr als die Hälfte der Deutschen (56 Prozent) hält eine Lesebrille für ein untrügliches Zeichen des Alterns. Von den Nutzern dieser Sehhilfen empfindet sie sogar fast jeder dritte (31,5 Prozent) als lästig. Allerdings gaben 42,3 Prozent an, ihre Lesebrillen sogar an mehreren Orten immer griffbereit zu halten. Ist dann aber – wie es der Pressetext nahelegt – die Jugend tatsächlich vorbei? Nein! Denn gerade das Lesen hält uns jung, führt uns zurück in die Phantasiereisen unserer Kindheit, lässt uns die Abenteuer auf dem Weg des Erwachsenwerdens im neuen Licht erscheinen und schafft uns geradezu Erlebnisse, selbst wenn sie nur im Kopf stattfinden.

Wenn also aus Leseratten Brillenschlangen werden, unverrückbar in der Liebe zum Wort, dann ist das eine Metamorphose, die von Reife zeugt, und die  neue Perspektiven und noch schönere Leseerlebnisse verspricht! Zu sagen, die Reviolution fresse ihre Kinder (weil gewisse Schlangen bekanntlich Ratten verzehren), hielt ich in diesem zsuammenhang für übertrieben. Aber das Akltern (wie ich momentan noch nahe bei der Mitte des Lebens denke) eröffnet Chancen der Neubetrachtung und Neubewertung der früheren Erfahrungen – und auch dabei hilft das Lesen sehr!

Heilsame Höhenluft

Freitag, 04. Februar 2011

Vermutlich dürfte In Goethes Gedicht „Erinnerungen“ der Ursprung für die Redensart mit dem „in die Ferne schweifen“ liegen: „Willst du immer weiterschweifen? / Sieh, das Gute liegt so nah. / Lerne nur das Glück ergreifen, /denn das Glück ist immer da.“ Hierbei ist nichts über das Klima gesagt, gewissermaßen als Randbedingung des Glücklichseins. Doch all diejenigen, die das Gefühl haben, sie sind ausgelaugt, sie müssen entspannen oder benötigen Urlaub, suchen ihr Glück oft in einem Klima- oder Tapetenwechel, meist verbunden mit einem Aufenthalt an Orten mit wohltuender Luft. Wissenschaftler haben nun in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift“ (DMW) neue Ergebnisse vorgestellt, wonach Gebirgsluft die Beschwerden bestimmter Atemwegs- und Hauterkrankungen dauerhaft lindern kann. Also sollte das Motto für kranke oder urlaubsreife Zeitgenossen eher lauten „In die Höhe schweifen“.

Kölner Stadt-Anzeiger, 04.01.2011, Titel: Bergluft lindert dauerhaft Beschwerden

Bei sogenannten „atopischen“ Krankheiten, zu denen starke Abwehrreaktionen auf Umwelteinflüsse wie Neurodermitis, Heuschnupfen und allergisches Asthma zählen, nütze ein Aufenthalt im Hochgebirge besonders gut. Das haben Vergleiche von Dokumentationen zu Klimatherapien aus den vergangenen 15 Jahren gezeigt. Bei Erwachsenen würden demnach sogar bereits Mittelgebirgshöhen reichen, um erfolgreich Bescwherden zu linden. Ursache dafür ist der „positive Stress“, den der Klimawechsel auf den Körper bewirkt und ihn dazu veranlasst, selbst Kortison zu bilden.

Allerdings fällt mir in diesem Zusammenhang auch das Gedicht „An den Andern“ aus dem Gedichtband „Wir fanden einen Pfad“ von Christian Morgenstern ein, das ausgehend von einem Sich-Verirren beim Bergsteigen eine transzendentale oder vielleicht göttliche Erfahrung beschreibt. Insofern kann die Hochgebirgsluft nicht nur körperlich sondern auch seelisch heilsame Kräfte entfalten.

Christian Morgenstern: An den Andern

Ich hatte mich im Hochgebirg verstiegen.
Die Felsenwelt um mich, sie war wohl schön;
doch könnt ich keinen Ausgang mir ersiegen.
noch einen Aufgang nach den lichten Höhn.

Da traf ich dich, in ärgster Not: den andern!
Mit dir vereint, gewann ich frischen Mut.
Von neuem hob ich an, mit dir, zu wandern,
und siehe da: Das Schicksal war uns gut.

Wir fanden einen Pfad, der klar und einsam
empor sich zog, bis, wo ein Tempel stand.
Der Steig war steil, doch wagten wir’s gemeinsam . . .
Und heut noch helfen wir uns, Hand in Hand.

Mag sein, wir stehn an unsres Lebens Ende
noch unterm Ziel, – genug, der Weg ist klar!
Dass wir uns trafen, war die große Wende.
Aus zwei Verirrten ward ein wissend Paar.

Der DFV hält den Kölner Sport hoch

Mittwoch, 26. Januar 2011

Um den Kölner Sport  ist es – was die Beteiligung an einer Ausstellung ausgezeichneter „Orte im Land der Ideen“ betrifft – nicht eben gut bestellt. Nur die Deutsche Sporthochschule Köln ist mit ihrem Projekt „Fit am Ball“ bei der jetzt eröffneten Ausstellung im Spanischen Bau des Kölner Rathauses für den Sport vertreten, sowie der Deutsche Frisbeesport-Verband mit seiner Jugendarbeit. Anlässlich der Junioren Ultimate-WM im vergangenen Jahr in Heilbronn wurde der DFV e.V. mit Geschäftssitz in Köln am 06.08.2010 mit der begehrten Innovations-Trophäe ausgezeichnet. Auf dem Foto die Kölner Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes mit einer „Supporters‘ Club“-Scheibe zwischen dem Jury-Paten Ansgar Burghof (r.) und DFV-Geschäftsführer Jörg Benner.

Kölns Bürgermeisterin Elfie Schon-Antwerpes zwischen dem Jury-Paten Ansgar Burghoff und (r.) und DFV-GF Jörg Benner

Beim Rundgang durch die Ausstellung mit mehr als 30 ausgezeicheneten Projekten im Anschluss an die Feierstunde zeigten sich die beiden Festredner erstaunt und begeistert von der Idee, einen Teamsport in Eigenverantwortung und ohne Schiedsrichter durchführen zu können. Sie erfuhren, dass die Disziplin „Botschaftersport des Fairplays“ der World Games 2013 in Kolumbien ist, und dass sie in Deutschland über Hochschulen, Sportrahmenpläne in den Oberstufen und auch in Köln bereits in zwei Vereinen (ASV Köln und DJK Wiking Köln-Nord) sowie in vielen Schulen wenigstens sporadisch angeboten wird.

Foto des Kölner Doms bei der Ausstellung Kölner Orte im Land der Ideen

Natürlich darf der Kölner Dom als einer der altehrwürdigsten Orte im Land der Ideen bei der Aussttellung nicht fehlen. Die Auszeichnung des Bauwerks bezieht sich nicht nur auf die gotische Architektur und die Kunstschätze von Weltrang, sondern auch auf das Zentrum der Kirchenmusik mit fünf Chören und Orgelkonzerten und auf die forschende und publizierende Dombauhütte.

Das Schokoladenmuseum präsentiert sich als Kölner Ort im Land der Ideen

Insgesamt stammten die meisten der ausgezeichneten Kölner Orte aus dem Bereich Kunst-Kultur-Gesellschaft, wie Ansgar Burghof bemerkte (u.a. das Farina-Haus, das Karnevalsmuseum, die Kölner Oper und das Gürzenich-Orchester Köln), sowie aus dem Bereich Bildung und Wissenschaft (u.a. der Interkulturelle Schulhof Köln-Kalk, die Sendung mit der Maus, das NRW Landesbüro Tanz und die Carl Duisberg-Centren). Nur gut, dass die DSHS und der DFV auch das Ansehen der Sportstadt Köln hoch halten – wo erst jüngst bekannt wurde, dass in den vergangenen beiden Jahren rund eine halbe Million Euro an Sportmitteln nicht genutzt wurden.

Ein Lumpenball aus Ruanda - Ausstellungsstück der DSHS der Kölner "Orte-Ausstellung"

Bürgermeisterin Scho-Antwerpes stellte angesichts der vielen ausgestellten Innovationen fest, wie wichtig es für die Entwicklung des Standortes Köln sei, das kreative Potenzial der Stadt zu fördern, zu begleiten und zu beachten. Dazu werde die Stadt gerne zur Verfügung stehen, wo immer sie helfen könne. Vielleicht können die Flugscheiben-Disziplinen dazu beitragen, dass der Sport in Köln noch stärker zu einer runden Sache wird?

Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes bei ihrem Grußwort zur Kölner "Orte"-Ausstellung

Laut Ansgar Burghof beschreibt „das Land der Ideen“ den Markenkern des Standortes Deutschland. Die gleichlautende Marketinginitiative möchte bisher wenig bekannte Innovationen sichtbar machen. Köln steht bundesweit in Hinblick auf die Anzahl der ausgezeichneten Projekte übrigens an vierter Stelle hinter München, Stuttgart und Frankfurt am Main. Die Ausstellung im Kölner Rathaus läuft noch bis zum 16. Februar.

Zackige Zocker

Donnerstag, 20. Januar 2011

Hatte ich vor zwei Tagen diese Erkenntnis noch ohne Beweis vorweggenommen, so steht es nun schwarz auf weiß fest (Quelle Magazin des Kölner Stadt-Anzeigers vom Dienstag):

Kölner Stadt-Anzeiger, 18.01.2011, Titel: Zocker reagieren schneller

Der Forscher Markus Breuer der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat nach systematischen Untersuchungen festgestellt, dass passionierte Comupterspieler duetlich schnellere Reaktionen auf optische Reize aufweisen. Der Studie zufolge steigert sich dieses Vermögen noch mit der Dauer des Spielens. Was nun nicht heißen soll, dass möglichst viele junge Leute möglichst lange am Bildschirm zocken sollen!

Es gibt auch anderes, zum Beispiel Musik machen, lesen, schreiben oder auch spazieren gehen. Aber vielleicht lassen sich ja die kurze Reaktionsszeiten sogar für sportliche Ambitionen nutzen. Vielleicht züchten wir durch die vielen PC-Games eine immer bessere Klasse von ausgezeichneten Tischtennis-Spielern heran!? In der Tat sollen die Erkenntnisse für die Sportwissenschaften nutzbar gemacht werden.

Übrigens wurde innerhalb des Versuchs sogar eine Gruppe Tischtennisspieler den Computerspielern gegenüber gestellt. Dabei kam heraus, dass die Tischtennisspieler die besten Reaktionswerte auf akustische Signale aufwiesen – was nun wiederum nicht bedeutet, dass man Tischtennis nur nach dem Gehör spielen könnte. Aber zuhören kann auch bei optisch dominierten Tätigkeiten nicht schaden. Zum Beispiel, wenn Freunde oder Familienmitglieder raten, rufen oder schreien: „Hör jetzt endlich auf nur rumzuhocken und zu zocken!“

Dichterisches Selbstverständnis

Sonntag, 16. Januar 2011

Jeden zweiten Donnerstag gibt die libanesische Lyrikerin und Journalistin Joumana Haddad in der Welt unter dem Rubrikentitel „Auf eine Zigarre“ einen Kommentar zu  aktuellen Themen ab. Die jüngste Veröffentlichung hat mir besonders gut gefallen.

Die Welt, 13.01.2011, Kommenta von Joumana Haddad: Ich dichte, also bin ich

Schon der Titel in Anlehnung an der berühmten Grundsatz des französischen Philosophen René Descartes, stellt vieles klar: Das Dichten als eine Komprimierung von Sinnzusammenhängen, als eine punktuelle ästhetische Formel im Zusammenhang mit bestimmten Themen, Erkenntnissen oder Stimmungen sorgt für eine stärkere Identität der dichtenden Person. Die Descartes’sche Formel besagt, ein Gedankengang setzt das Gehirn voraus, sodass ich an meiner Existenz nicht zu zweifeln brauche.

Das Dichten ist aber mehr als nur ein Vernunft- oder Verstandesakt, es ist eine kreative Bemächtigung, eine Wegmarke, an der andere zwar unachtsam vorbeigehen können, die aber an dieser Stelle des Weges gesetzt wurde und einen eigenen Schaffensakt darstellt. Das Sein wird somit nicht nur als ein „Dasein“ im Sinne eines passiven Dahinvegetierens aufgefasst, sondern als ein aktives, ein schöpferisches und interpretatorisches Ich, das inmitten von komplexen Sachverhalten eine Haltung entwickelt und einnimmt.

Dabei kann die Dichterin oder der Dichter nicht davion abhängen, von vielen gelesen oder whargenommen zu werden. Das ist, was Joumana Haddad an ihrem eigenen Kulturkreis bemängelt: als arabische Dichterin lebt sie nach eigenen Angaben „in einer Weltgegend, in der weniger als 0,1 Prozent der Gesamtbevölkerung von 270 Millionen Menschen überhaupt lesen“, davon lesen nur 40 Prozent Bücher. Von diesen verbliebenen Lesern interessieren sich maximal 9 Prozent für Gedichte. Sie hat es ausgerechnet, das wären gerade einmal 9.720 Menschen. Dabei rühme sich die arabische Welt, mehr als 20.000 Dichter zu ihren Einwohnern zu zählen.

Dies bezeichnet sie zurecht als Ironie. Insofern wäre es auch mehr als vermessen, Gedichte zu schreiben mit dem Hintergedanken, dadurch berühmt werden zu wollen. Was an ihrem dichterischen Selbstverständnis, Gedichte zu schreiben, um zu „sein“, jedoch nichts ändert. Wie heißt es doch oft auch so schön bei Kartenspielen: „Wer schreibt, der bleibt“.

Zwischen Prophetie und Prognose

Samstag, 15. Januar 2011

Dass Vorhersagen wirtschaftlicher Entwicklungen nicht viel genauer sind als das Geraune von Wahrsagern, legt ein Gastbeitrag von John Kay im Handelsblatt nahe. Dazu erklärt Rolf Dobelli in seiner brillanten Reihe „Klarer Denken“ bereits Ende des vergangenen Jahres, welcher klassische Denkfehler sich in Hinblick auf Prognosen häufig einstellt.

Handelsblatt, 10.01.2011, Titel: An der Zukunft scheitern Experten wie Schimpansen

Voraussagen sind vor allem am Jahresanfang sehr beliebt und eigenn sich am Ende des Jahres (bzw. zu Beginn des kommenden) wieder dazu zu erkennen, wo wir überall daneben gelegen haben. Freilich ließe sich einwenden: Jede Entscheidung bedeutet das Verwerfen anderer Möglichkeiten und insofern machen wir uns immer schuldig. Aber halt! Prognostiker zwingt niemand dazu etwas zu behaupten, wozu es eigentlich keine Veranlassung gibt. Aktuelle Trends, meint John Kay, würden gewöhnlich mit übertriebenem Tempo fortgeschrieben.

Das ist einfach zu belegen und insofern gut und billig. Die allermeisten Leser dieser Vorhersagen werden sich in dieser naheliegenden Auffasung bestätigt sehen, weil sie ähnlich Lautendes bereits gehört oder gelesen haben. Ein US-Politologe namens Philip Tetlock jedoch hat 20 Jahre lang Prognosen über geopolitische Ereignisse gesammelt und dabei 30.000 Vorhersagen von 3.00o Experten überprüft. Das Ergebnis lag insgesamt noch unter „Naiven Extrapolationen“, wi es heißt;  das Wissen, das sich dabei als nützlich erwies, war eher selten anzutreffen. Sogar Schimpansen, die per Zufallsprinzip Auswahlen trafen, kamen im Durchschnitt fast an das Ergebnis der Experten heran.

FAZ, 06.12.10, Titel: Warum Sie Ihr Tagebuch zu einem besseren Prognostiker machen kann

John Kay führt weiter an, dass Leute, die mit unbequemen oder schlecht vorstellbaren Vorhersagen richtig liegen, sowohl im Vorfeld anecken, als auch im Nachhinein, wenn sie recht behielten – einfach, weil diese Vorstellung nicht ins Weltbild der „Normalbürger“ passt. Hierzu führt er das sehr plausible Beispiel eines Terrorexperten des Weißen Hauses an, der vor dem 11. September eindringlich vor den Gefahren des Islamismus gewarnt hatte. Die Conclusion des Artikels lautet, dass „handelsübliche“ Vorhersagen die Wirkung der kurzfristigen Veränderungen überschätzten und das Ausmaß des langfristigen (kaum absehbaren) Wandels unterschätzten.

Auf einen anderen Punkt zielt die Folge „Klarer Denken“ von Rolf Dobelli ab, Rückblickend ergibt sich für uns immer ein logisch nachvollziehbares Bild der Geschichte. Allerdings sehen die Prognosen vor einschneidenden Ereignissen meist ganz anders aus, sei es wenn der Autor die Tagebücher seines Großonkels von 1932 aus Frankreich oder die positiven Wirtschaftsprognosen von 2007 – ein Jahr vor der Finanzmarktkrise – liest. Dass sich aber in der späteren Betrachtung alles als äußerst wahrscheinlich erweist, das nennt er den „Rückschaufehler“.

Er bezeichnet ihn auch als das „Ich habs schon immer gewusst“-Phänomen, eine Einstellung, die den Lauf der Welt als möglichst einfach verständlich erscheinen lassen soll, was er aber in den seltensten Fällen ist. Als Beispiele hierfür führt er den CEO an, der durch glückliche Umstände zum Erfolg gekommen ist – er selbst betrachtet diese Entwicklung aber als ganz stringent. Weiter nennt er das Attentat von Sarajewo 1914, das zum Ausbruch des 1. Weltkriegs führte: Wer hätte sich damals eine solche Eskalation vorstellen können? Die Gefahr des omnipräsenten Rückschaufehlers liegt in der Überschätzung der eigenen Fähigkeit Entwicklungen vorherzusehen. Übrigens helfe laut Studien auch die Kenntnis dieses Fehlers nicht davor ihn zu begehen. Aus persönlicher Erfahrung könnte einzig helfen – so der Autor im Rückbezug auf die Tagebücher seines Großonkels – Tagebuch zu führen. Dies könne einem eindrucksvoll die  Unvorhersehbarkeit der Welt vor Augen führen.

Neues aus der Tierwelt 29

Mittwoch, 12. Januar 2011

Diese Ausgabe erstaunlicher Neuigkeiten aus dem Reich der Tiere handelt von flirtenden Fischen, von Hunden im Schnee und von Haustierkeimen, die sich auch bei Menschen ausbreiten. Dies führt uns schon zu Beginn zu der immer mal wieder hilfreichen Erkenntnis, dass auch der Mensch nur ein besonders gelehriges Tier ist.

Kölner Stadt-Anzeiger, 08.01.2011, Titel: Wie Fische flirten

Geradezu menschlich erscheint das Verhalten mancher Fischmännchen (so des Mexiko-Kärpflings), die die Attraktivität von Rivalen einschätzen und ihr Verhalten danach ausrichten können. Das hatd er Kölner Stadt-Anzeiger unter Berufung auf die Biologen David Bierbach und Martin Plath von der Goethe-Uni in Frankfurt am Main berichtet. Sobald sich ein als attraktiv eingeschätztes Männchen ind er Nähe befindet, zeigen diese listigen Karpfen kein Interesse an ihrem bevorzugten Weibche, sondern nähern sich gezielt einem anderen an. Ziel der Aktion sei, dass ihr bevorzugtes Weibchen dann nicht durch den sexuell aktiv Nebenbuhler weggeschnappt werde. Als solche gelten übrigens besonders große und dann meist auch buntere Karpfen. In der Menschenwelt wird die Größe und Buntheit oft durch entsprechende Automobile dargestellt (Stichwort: Roter Ferrari).

Welt am Sonntag, 09.01.2011, Titel: Kein Schmelzwaser für Hunde

So schön und schneereich der Winter auch war: Eine Gefährdung ergab sich daraus für unsere treuesten Wegbegleiter. Hunde nämlich, berichtet die Welt am Sonntag, sollten kein Schmelzwasser trinken, da es Bakterien oder Viren sowie Schadstoffe und Reste von Streusalz enthalten könnte. Zwar würde nach Angaben des Tierschutzbundes die Magensäure einen Teil der Erreger abtöten, doch stellten Risse in der Mundschleimhaut eine erhebliche Infektionsgefahr dar. Etwas anderes ist es natürlich, wie in Abenteuerfilmen zu sehen, wenn sich der Held mit seinem Hund das Wasser direkt aus dem frischen Schnee holt, damit er und sein Tier was zu schlabbern haben (dann auch Schmelzwasser resp. Kaffee, direkt von der Feuerstelle).

Welt am Sonntag, 09.01.2011, Titel: Haustierkeime unter Menschen

Eine andere Gefahr, die von Haustieren ausgeht, haben Schweizer Forscher beschrieben (ebenfalls unter der Rubrik „Hund, Katz & Maus“ der Welt am Sonntag). Demnach breitet sich das gegen fast alle Antibiotika resistente Bakterium Staphylococcus Pseudintermedicus seit etwa 2005 unter Hunden und Katzen aus und ist jetzt erstmals bei einem Patienten in Bern entdeckt worden. Demnach werden in Zukunft Menschen nicht mehr nur gelegentlich genauso aussehen wie ihr Hund, sondern auch noch dieselben Krankheiten teilen. Wenn das kein Treuebündnis darstellt!

Fernsehen führt nur selten zur Berufung

Freitag, 07. Januar 2011

Die Glotze flimmert, die Kiste läuft, der Apparat sendet. Was aber im Fernsehen den ganzen Tag über läuft, hat nur selten viel mit der Realität zu tun. Das gilt teils für Dokumentationen (die sich vor allem auf Extreme stürzen), das gilt aber vor allem für Fiktionales. So belegt eine neue Studie der Uni Münster, dass TV ein falsches Bild von der Berfuswelt vermittelt. Das ist natürlich besonders bitter für all diejenigen unentschlossenen Jugendlichen, die sich von einem erhöhten Fernsehkonsum tagein tagaus die Erleuchtung erhoffen, was sie denn mit ihrem Leben anfangen sollen.

Kölner Stadt-Anzeiger, 06.01.2011, Titel: Das Gesetz der Serie

Der witzige Titel des entsprechenden Beitrags im Kölner Stadt-Anzeiger von Christian Bos ließ sich auch darauf beziehen, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch morgen wieder die Daily Soap der Wahl angeschaltet wird, auch kommende Woche wieder die Lieblingsserie. Die Serien selbst liefern aber jenes Gesetz, wonach Ärzte, Rechtsanwälte und Designer deutlich überrepräsentiert sind in der schönen Welt des hochfrequenten Scheins (von Kriminalkomissaren mal ganz zu schweigen). Unter jungen Leuten dominieren in TV-Serien Angestellte in der Gastronomie, in der Medien- und Modebranche.

In der Pressemitteilung heißt es: „Dieses verzerrte Bild der Berufswelt wirkt sich nachhaltig auf die Berufsvorstellungen Jugendlicher aus: So steigt beispielsweise der Wunsch, im Gesundheitswesen zu arbeiten signifikant mit dem Konsum von gesundheitsbezogenen Serien an.“ Wir sollten uns ein Beispiel an anderen Ländern nehmen, meint Christan Bos. In England spielt die Serie „The IT-Crowd“ etwa im entsprechenden Milieu, während in den USA „The Big Bang Theory“ das Leben von Physikern und Luftfahrtingenieuren schildert. Sowohl Kölner Stadt-Anzeiger als auch die FAZ machen witzige Vorschläge wie neue Serien heißen sollten: „Verzweifelte Mechatroniker“, „CSI Änderungsschneiderei“ (KStA), „Gute Schnitte, schlechte Schnitte“ oder „Car’s Anatomy“ (FAZ). Die kurze Erwähnung in der Rubrik „In medias res“ bei der FAZ beginnt übrigens sehr überraschend:

FAZ, 06.01.2011, Titel: In medias res - Fernsehen bildet

während die Fortsetzung lautet: „sagen fernsehkritische Menschen gern, wenn sie das Gegenteil meinen.“ Zu einem Großteil verhält es sich doch aber so, dass sich Intelligenz meist vermehrt und Dummheit sich konserviert, egal welche Serien bevorzugt werden. Nur, um einen Job zu finden, sollte sich jedweder Kandidat doch einmal vorübergehend von der Glotze wegbewegen. Die Studie ist übrigens nur ein erstes Ergebnis aus einem neu gegründeten interdisziplinären Forschungszentrum für Berufsorientierungs- und Berufsverlaufsforschung.

Keine Angst vor einem schlechten Tag!

Montag, 03. Januar 2011

Anfang des Jahres hält sich bei manchem Arbeitnehmer die Motivation zur konzentrierten Arbeit wohlmöglich in Grenzen. Nicht ausgerechnet deshalb, doch passend dazu, stieß ich heute in der FAZ auf die hochverehrte Rubrik von Rolf Dobelli, die uns Tücken der Bequemlichkeit des menschlichen Geistes vor Augen führt.

FAZ, 03.01.2011, Rubriktitel "Klarer denken"

Auch dieser Rubriktitel ließe sich sehr gut auf den Jahresbeginn und dunkle Tage nach durchzechten Nächten beziehen. Noch besser ist es aber, sich diese Fallen regelmäßig bewusst zu machen und nicht erst, wenn es (zumindest tageszeitlich) dafür zu spät (oder doch zu früh?) ist. Jedenfalls bezieht sich der Autor, Gründer und Kurator des Forums “Zurich.Minds” auf den häufig vorkommenden Irrtum des Denkens, den er „Regress zur Mitte“  nennt.

FAZ, 03.01.2011, Titel: Warum Sie mit der natürlichen Schwankung ihrer Leistung rechnen sollten

Anhand vieler Beispiele beschreibt Rolf Dobelli, wie sich Menschen aufgrund einer schlechten Leistung kurzfristig helfen lassen. prompt wird eine verebsserte Leistung dieser Hilfe zugeschrieben, obwohl sie vermutlich nur auf einer natürlichen Schwankung beruht. Ein Beispiel ist der gute Amateur-Golfer, der sich nach jedem schlechten Tag eine Stunde beim profi genehmigt. Anschließend ist sein Spiel wieder besser. Ein anderes ist das des Börsenmaklers, der nach einem Abrutschen seiner performance einen Regentanz aufführt – und prompt verbessert sie sich anschließend wieder.

Genauso zuverlässig wie beim Wetter nach einer Kältephase auch wieder mildere Tage kommen, folgen beim Menschen weniger extreme Leistungen auf extreme. Ob nun Chefs die am wenigsten motivierten Mitarbeiter zu einem Kurs schicken oder Schulen mit schlechten Testergebnissen gezielt gefördert werden: dass anschließend andere Mitarbeiter die geringste Motivation haben und andere Schulen die schlechtesten Ergebnisse, hätte sich vermutlich auch ohne Kurse und Förderungen so ergeben.

Besonders negativ wirkt sich die Regression zur Mitte im Fall von Lehrern aus, die bemerken, dass ein Schüler nach einer sehr guten Arbeit, für die er Lob erhielt, anschließend ins Mittelmaß abfällt, oder dass ein Schüler nach einer sehr schlechten Arbeit, für die er getadelt wurde, anschließend ins Mittelmaß aufsteigt. Die (falsche) Schlussfolgerung lautet: Lob schadet, Tadel hilft. Das alles bedeutet natürlich nicht, dass es ausgeschlossen ist, dass ein Golfpro dem Amateur etwas beibringt, dass Chefs ihre Mitarbeiter tatsächlich motivieren oder dass Länder auffällige Schulen nachhaltig fördern.

Aber hier dürften zur Warnung solche Allgemeinplätze angebracht sein wie „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, „Gut Ding will Weile haben“ oder „Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist“. Nur auf Dauer wird das Wetter sicher nicht das gleiche bleiben. Und ein schlechter Tag muss Sie nicht beunruhigen, schon gar nicht im Rahmen der natürlichen Leistungsschwankungen.

Neues aus der Tierwelt 28

Sonntag, 02. Januar 2011

Nach wie vor viel Neues gibt es auch im Neuen Jahr über unsere tierischen begleiter auf der Erde zu berichten. So wird eine alte Diskusion um die Bevorzugung von Hund oder Ktaze neu beflügelt, eine interessante Verhaltensweise von weiblichen jungen Schimpansen erörtert und ein unerhlörter Vorgang bei den Eichhörnchen aufgedeckt. Na, wenn das nichts ist!

Welt am Sonntag, 02.01.2011, Titel: Von wegen schlaue Katzen

In der beliebten Rubrik „Von Hund, Katz und Maus“ in der Welt am Sonntag bin ich Anfang des Jahres gleich von zwei Meldungen überrascht worden. Die erste, obige betrifft die Entwicklung des Gehirns unserer Parade-Haustiere, Hund und Katze. Demnach hat sich das Hundegehirn in den vergangenen 60 Millionen Jahren deutlich stärker entwickelt als das von Katzen, vermutlich bedingt durch ihr Sozialverhalten, das zu komplexerem Denken und zu mehr Hirnmasse führt. Das haben Forscher der Oxford-Universität herausgefunden. Ob mehr Hirnmasse nun gleichzeitig auch den besseren Charakter bedeutet, sei dahingestellt. Somit ist diese Erkenntnis nicht viel mehr als ein kleines Argument pro Hund und contra Katze, die sich selbst überlassen vermutlich auf ewig mtieinander umgehen werden wie Hund und Katze.

Welt am Sonntag, 02.01.2011, Titel: Auch Affenmädchen lieben Puppen

Von besonderer Intelligenz sind jedenfalls sicherlich auch Schimpansen, über die nun Forscher der Harvard-Universität in Cambridge Neues herausgefunden haben. Einem Bericht in „Current Biology“ zufolge behandeln junge weibliche Schimpnasen in freier Wildbahn bestimmte Äste genauso wie ihre Mütter sie behandeln: Ein typischer Fall von Puppen- resp. Rollenspiel! Im Zoo hingegen spielen weibchen tatsächlich auch gerne mit Puppen, während männliche Schimpansen – wer hätte es gedacht – Autos bevorzugen (dem unerfüllbnaren Wunsch zufolge: Nur weg von hier!).

Welt am Sonntag, 02.01.2011, Titel: Vielmännerei bei den Eichhörnchenweibchen

In einer weiteren Rubrik der Welt am Sonntag, „Himmel und Hölle“ ist dei Meldung zu lesen, dassbei Eichörnchen-Webchen offenbar Vielmännerei herrscht. Ein Forscher der kandischen Universität von Guelph betont, das dies ind er Natur eigentlich nur dann sinnvoll ist, wenn ein Mangel an Männchen vorherrscht. Dies ist bei Eichhörnchen aber nciht der Fall. Sollte da auch Intelligenz im Spiel sein oder gar eine Art Lustprinzip? Im Gegenteil vermutet der Forscher, dass sich die armen Tiere in einer evolutionsbiologischen Falle befinden. Zu einer Alternative fehlt Ihnen einfach die Perspektive oder auch die Fantasie.