Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Neues aus der Tierwelt 5

Dienstag, 11. Mai 2010

Gefährlich ists den Leu zu wecken,
verderblich ist des Tigers Zahn.
Jedoch der schrecklichste der Schrecken,
das ist der Mensch in seinem Wahn.

aus „Das Lied von der Glocke“ von Friedrich Schiller (1759-1805)

Bei der Frage, wie der heutige Mensch entstanden ist, hat die Wissenschaft neue Erkentnnise erlangt, andererseits demonstriert sie auch immer wieder, wozu der Mensch nach wie vor in der Lage ist. Fast ebenso poetisch wie Schillers klassische Sentenz klingt die Überschrift vergangene Woche im Kölner Stadt-Anzeiger in Bezug auf den Nachweis von Neandertaler-DNA im menschlichen Erbgut.

Klner Stadt-Anzeiger, 07.05.2010, Titel: Sie liebten und sie kreuzten sich

Vergleichsweise einfallslos dagegen der Titel des oben verlinkten Artikels im Internet. Im Übrigen hatte der Zoologe und Evolutionsbiologe Josef Reichholf im Gastkommentar vergangenen Samstag in der Welt genau dieselbe Überschrift zum Thema gewählt, Tags zuvor formulierte Rolf H. Latussek in der Welt noch ein wenig perfider: „Wir sind alle ein bisschen Neandertaler“. „Wir“ waren Papst, „wir“ waren Handball-Weltmeister, aber wir alle sind und bleiben nicht nur Urmensch, sondern auch Neandertaler, wenigstens zu zwei bis vier Proznt unseres Genoms. Nachdem der Neandertaler bereits vor etwa 270.000 bis 400.000 Jahren aus Afrika ausgewandert war, folgten Frühmenschen erst vor etwa 80.000 Jahren und vermischten sich vermutlich „irgendwo im Nahen Osten“ – bis zu einem gewissen Grad.

Welt, 08.05.2010, Titel: Der Neandertaler in uns

Josef Reichholf beruhigt, dass sowieso etwa die Hälfte aller unserer Gene schlicht „Schrott“ sei und damit der jetzt nachgewiesene geringe Neandertaler-Bestandteil also gar nichts zu sagen habe. Im Übrigen hätten diese Kraftprotze sogar mehr Gehirnmasse gehabt als die Menschen. Die Frage also, was genau der heutige Mensch vom Neandertaler geerbt haben mag, ist noch völlig offen, wie auch diejenige danach, warum sie vor etwa 30.000 Jahren ausstarben. Vielleicht wurden sie von den sprachbegabteren, aber schwächeren Frühmenschen ausgetrickst – oder sie waren einfach friedfertiger als sie, wirft der Zoologe und Ökologe in die Diskussion. Im Neanderthal-Museum in Mettmann jedenfalls war man laut Süddeutscher Zeitung von der Neuigkeit nicht überrascht. Schon lange wird im dortigen Shop das T-Shirt mit der Aufschrift verkauft: „Ich bin stolz ein Neandertaler zu sein!“

Welt, 11.05.2010, Titel: Wie Bonobos Nein sagen

Dass uns heute auch noch einiges mit Primaten verbindet, beweist die jüngste Erkenntnis von Forschern des Leipziger Max-Planck-Instituts für Anthropologie. Demnach hätten Bonobo-Muttertiere zum Zeichen des Verbots gegenüber ihrem Nachwuchs deutlich den Kopf geschüttelt, um Nein zu sagen. Wenn Menschenmütter heute den Kopf schütteln und zu sich im Stillen „Nein!“ murmeln, schwingt dagegen meist weit mehr Verzweiflung mit, im Sinne von „Was hab ich nur falsch gemacht?“. Solche Selbstzweifel plagen Bonobos dagegen seltener. Ich habe zumindest noch nichts davon gehört.

Welt, 11.05.2010, Mäuse zeigen bei Schmerzen ähnliche Mimik wie Menschen

Allerdings tun Tiere Menschen auch kein Unheil an im Namen der Wissenschaft. Ist das nun unmenschlich, allzumenschlich oder untierisch? Kanadische Wissenschaftler an der McGill-Universität in Montreal haben nun eine Skala zur Erkennung von Schmerzen bei Mäusen anhand ihrer Mimik entwickelt. Das hat die Welt berichtet. Wenn es in dem Beitrag heißt, dass die Messung von Schmerzen bei Tieren „generell ein Problem“ sei, so werden damit keine ethischen Dimensionen berührt. Es sei einfach so schwierig, wie an der Uni Bremen, den Schmerzensgrad bei Makaken anhand von Stresshormonen im Blut oder ihren Abbauprodukten im Urin zu bestimmen.

Da ist doch die sogenannte Mäuse-Grimassenanzeige weitaus einfacher zu lesen. Sie soll nun zur Entwicklung von Schmerzmitteln für Menschen weiter voran getrieben werden. War doch schon Charles Darwin der Überzeugung, dass auch Tiere emotionale Regungen zeigen. Dass den Mäusen in Montreal dazu Mittel verabreicht werden, die schmerzhafte Entzündungen auslösen, oder genetische Mutationen vorgenommen werden, die Migräne-ähnliche Symptome auslösen, das ist eben der Preis der Forschung. Im Sinne der Wissenschaft heißt es dann auch für die Versuchstiere: Schön, wenn der Schmerz nachlässt. Ein Klassiker des Gewissenskonflikts.

Neues aus der Tierwelt 4

Mittwoch, 05. Mai 2010

Welt, 03.05.10, Titel: Wenn Hunde heucheln

Heuchelnde Hunde und andere tierische Anpassungs- und Übernahmestrategien. Eine ganze Reihe interessanter Meldungen lassen jüngst eine beschleunigte Evolution im Tierreich vermuten. So berichtet die Welt in dieser Woche gleich zweimal über die Beschwichtigungstaktik von Hunden ihren Haltern gegenüber. Demnach sind Gesten wie der „reuige Blick“, das Ablecken der eigenen Nase, Blinzeln mit den Augen und das Anlegen der Ohren offenbar gezielte Botschaften, um ihr Frauchen oder Herrchen darauf hinzuweisen, dass ihnen etwas nicht passt. Zum Beispiel könnte ihnen laut Industrieverband Heimtierbedarf der direkte Augenkontakt oder ein zu heftiges Schmusen missfallen.

Dies sind allerdings weniger Täuschungen als die Ergebnisse der New Yorker Verhaltensforscherin Alexandra Horowitz:. Bei einer Versuchsanordnung wurden Hunde in Abwesenheit ihres Halters entweder verführt einen verbotenen Keks zu essen, oder der Keks wurde weggenommen, aber dem Halter berichtet, das Tiere habe ihn verbotenerweise gegessen. Die „verführten“ Hunde zeigten später ihrem Halter gegenüber überraschenderweise  keine Reue, während die fälschlich beschuldigten genau oben genannte Signale aussandten. Die Demutshaltung ist also offenbar nur eine Reaktion auf das Verhlten des Menschen, beruht aber nicht auf ein „Unrechtsbewusstsein“. Dies als Intelligenz zu deuten, halte ich für übertrieben, es spricht doch eher für Konditionierung.

Welt, 04.05.10, Titel: Möwen und Banker

Über andere Arten der Anpassung berichtet ebenfalls die Welt: zum einen, dass erstmals Möwen auf den Hochhäusern von Frankfurt am Main brüteten. Das hat weniger etwas mit psychologischer Mensch-Tier-Interaktion zu tun als mehr mit der Eroberung von Lebensräumen. Vielleicht wollen die Wasservögel den Arbeitsstätten der Banker damit das Prädikat „Schrottimmobilie“ verleihen oder sie genießen einfach die Aussicht. Wirklich erstaunlich dabei ist jedoch, dass nicht nur Mantelmöwen, sondern auch Mittelmeer- und Heringsmöwen dort nisten. Der gemeinsame Nachwuchs einer aus nördlichen Bereichen stammenden Mantelmöwe und einer aus südlichen Bereichen stammenden Mittelmeermöwe würde „wohl lebens-, aber nicht fortpflanzungsfähig sein“, heißt es weiter.

Welt, 04.05.10, Titel: Ein Exot bedroht die Fische im Rhein

Zum anderen wird über eine Entwicklung am Rhein berichtet, wonach die aus Osteuropa stammende Kesslergrundel sich nördlich des Mains und nun auch schon bis Mannheim ausbreitet. Vom Schwarzen Meer hat sie über die Untere Donau den Fluss stromaufwärts den Weg über den Rhein-Main-Donau-Kanal genommen. Bald dürfte sie sich auch im südlichen Rhein in Baden-Württemberg verbreiten. Das 25 Zentimeter große Tier schnappt nach jedem Köder, heißt es, ist als Speisefisch nicht begehrt und wird aufgrund der starken Ausbreitung zur Beeinträchtigung der Fischerei. Eine Heuschrecke der Flüsse gewissermaßen – oder eine späte Rache der Donaumonarchie am rheinischen Kapitalismus.

Neues aus der Tierwelt 3

Sonntag, 02. Mai 2010

Was haben Frösche und Schimpansen gemeinsam? Nein, nicht nur das „sch“ im Namen, sondern eine gewisse Ähnlichkeit zum Menschen. Damit meine ich nicht das äffische Verhalten mancher besonders auffälliger Vertreter des Homo Sapiens und auch nicht das sprichwörtliche „Sei kein Frosch!“, das schüchternen Zeitgenossen eine gewisse Nähe zu den Amphibien unterstellt. Sondern wie immer an dieser Stelle ist hier von harten wissenschaftlichen Erkenntnissen die Rede. So hat eine Froschergruppe der britischen Uni Sterling den Umgang von Schimpansen mit sterbenden oder toten Mitgliedern einer Gruppe augewertet und  genetiker der US-Uni California Berkeley haben das Erbgut des Krallenfrosches entziffert. Überraschung: Fast 80 Prozent aller beim Menschen bekannten Krankheitsgene kommen auch bei diesem entfernt verwandten Tier vor.

Kölner Stadt-Anzeiger, 30.04.2010, Titel: Der Frosch im Menschen

Unter diesem launigen Titel hat der Kölner Stadt-Anzeiger am vergangenen Freitag über diese Entedeckung informiert, wonach viele der bis zu 21.000 Gene des Krallenfrosches ähnlich geordnet wie beim Menschen seien, auch wenn ihre Gesamtzahl etwas unter der des Menschen liegt. Insbesondere ein DNA-Bereich habe sich seit 360 Millionen Jahren als „Überbleibsel des letzten gemeinsamen Vorfahrens aller höheren Lebewesen“ (wer auch immer das gewesen sein mag) überhaupt kaum verändert. Vielleicht hängt das auch insofern mit der Menschwerdung zusammen, als der menschliche Fötus in den ersten Wochen Wachstumsphasen durchmacht, die durchaus an Fische und Frösche denken lassen. „Küss den Frosch“ steht damit für die Liebe des Lebens selbst!

Kölner Stadt-Anzeiger, 01.05.2010, Titel: Schimpansen mit Todesbewusstsein

Tagsdrauf in der Zeitung die  schon ein paar Tage ältere Meldung, wonach Schimpansen eine Art Bewusstsein des Todes aufweisen. Die Ergebnisse der britischen Forscher sind im Journal „Current Biology“ veröffentlicht worden (vgl. auch die als Frage formulierte Meldung in der Welt). Der Autor James Anderson wird zitiert: „Das Todesbewusstsein zählt zu jenen psychologischen Phänomenen, von denen man lange annahm, dass nur der Mensch sie aufweise.“ Doch untersuchte Schimpansen in einem schotischen Zoo hätten sich „in den Tagen vor dem Ableben“ eines alten Gruppenmitglieds „besonders ruhig verhalten und der schwachen Schimpnasin viel Aufmerkesamkeit geschenkt.“ Weiter heißt es: „In den Stunden vor dem Tod hätten die Gruppenmitglieder sie mit zärtlichen Gesten berührt und ihr Fell gepflegt.“ Zudem ist von einer Totenwache der Tochter die Rede.

Ein Schimpanse im Burgers Zoo hängt am Seil und hängt am Leben

Das ist mehr, als man von vielen Menschen erwarten kann, wobei klar ist, dass bei Menschen das Gruppenverhalten bei weitem nicht mehr so gut funktioniert wie bei Affen respektive Halbaffen. In diesem Sinne ist bei allem Selbstinteresse, das jeder von uns mit mehr oder weniger guten Gründen verfolgt, etwas mehr Hingabe an andere zu verlangen. Auch, wenn ich Gefahr laufe, mich zu blamieren, weil ich mir eine Blöße gebe, ist die Aufforderung „Mach Dich zum Affen!“ damit eine zutiefst menschliche. Nebenbei bemerkt ist der Tatbestand von Totenwachen im Tierreich auch von einigen anderen Arten bekannt.

NRW-Spitzenpolitiker im Onlinetest

Samstag, 01. Mai 2010

In der selbst ernannten „frechen Rubrik“ betitelt „Jetzt ich“ im Kölner Stadt-Anzeiger hat jüngst Anne-Kathrin Gerstlauer die Internet-Auftritte der Spitzenpolitiker im Vorfeld der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen untersucht. Ich mag die Kolumne, weil dort Mitarbeiter der Jugendseite des Blattes ihre Meinung sagen. Das Fazit der Autorin: Alle politischen Spitzenkräfte vertun die Chance, sich glaubhaft und informativ im Netz zu präsentieren. Daher die Überschrift in Bezug auf deren Onlinepräsenz:

Kölner Stadt-Anzeiger, 01.05.2010, Titel: Banales im Netz

Ihr berechtigtes Argument ist, dass 2005 nur die Hälfte aller 18- bis 21-Jährigen wählen ging. Daher wären die Politiker gut beraten, die Netzwerke, in denen sich sehr viele der jungen Wähler tummeln, für klare und verständliche Wahlbotschaften zu nutzen. Doch da herrscht weitgehend Fehlanzeige. Zu den Kandidaten im Einzelnen: der Ministerpräsident im Gegenwind Jürgen Rüttgers erklärt zum Einstieg : „Meine Seite ist Ihre Seite“, was vermutlich heißen soll: „Meine Meinung sei bitte auch Ihre Meinung“. Dort sind zwar einige Filme verlinkt (meist aus dem NRW CDU-Podcast auf Youtube), doch Verlinkunegn zu Netzwerkseiten finden sich dort nicht – ganz im Gegensatz zur Seite seiner Herausfordererin Hannelore Kraft. Beide erklären sich übrigens zum Gewinner des TV-Duells, das objektiv betrachtet keinen Sieger hatte. Die Youtube-Filme sind bei ihr teilweise direkt in die Seite eingebettet, unten stehen die Links zu Youtube, Facebook, Twitter, Flickr, StudiVZ und Wer-kennt-wen.

Der FDP-Spitzenkandidat Prof. Dr. Andreas Pinkwart – seines Zeichens auch „Minister für Innovation“, worauf Anne-Kathrin Gerstlauer zurecht hinweist – hat dagegen jedoch eine eher langweilige Seite zu bieten. Immerhin Links zu Youtube und Twitter. Doch nach Meinung der Junge Zeiten-Autorin kennt er offenbar „die vielfältigen Möglichkeiten des Internets“ nicht. „Bis auf eine eigene Homepage präsentiert er sich in keinem einzigen Netzwerk.“ Nicht viel besser sieht die Seite der Grünen-Spitzenpolitikerin Sylvia Löhrmann aus, immerhin aber mit Links zu Facebook, Flickr und Youtube. Die Spitzenkadidatin der Linken in NRW, Bärbel Beuermann, hat gar keine eigene Website (jedenfalls habe ich keine gefunden), aber ein Profil auf Facebook ohen Foto und sonstige Angaben.

Neulich in Neuehrenfeld…

Dienstag, 27. April 2010

…da fahr ich doch ahnungslos über die Äußere Kanalstraße in Köln, als plötzlich ein Kunstrasen-Kraftfahrzeug vor mir auftaucht, zudem mit britischem Kennzeichen. „Wimbledon“ war meine erste Assoziation, „Wembley“ meine zweite. Allerdings wurde mir dann bewusst, dass es sich dabei doch nur um eine Werbeaktion, und zwar nicht für Sport handelte.

Kunstrasen-KfZ in Köln

Wen es interessiert, es drehte sich bei dem Promo-Fahrzeug um Smoothies, die sich selbst als „klein und fein“ bezeichnen. Die Autos bezeichnen die Marketingspezialisten der Fruchtshakes übrigens als „Grassy Van„, von denen eines inzwischen sogar im Hamburger Miniatur-Wunderland (kurz MiWuLa) steht. Der Eindruck, dass mit den Fruchtkonzentratgetränken etwas Natürliches konsumiert würde, wird übrigens auch in den TV-Werbespots nahegelegt, hier ein etwas älterer.

Streit ums „Bewusstseins-Huhn und -Ei“

Montag, 19. April 2010

Die Süddeutsche Zeitung hat im Feuilleton am vergangenen Freitag einen fast ganzseitigen Forschungsbericht der Psychologin und Neurowissenschaftlerin Lera Boroditsky veröffentlicht, übersetzt von Sebastian Vogel. Er stammt aus dem Band im S. Fischer-Verlag „Die Zukunftsmacher – Die Nobelpreisträger von morgen verraten, worüber sie forschen.“, herausgegeben von Max Brockman.

Am Eingang des hochspannenden Textes wird mein erster Gedanke reflektiert: Kann die Sprache überhaupt das Denken prägen, wenn es doch fraglos in Sprache stattfindet? Ist es daher nicht eher so, dass das Denken die Sprache prägt? Möglicherweise spielt das Denken unter verschiedenen Sprechern derselben Sprache eine erhebliche Rolle hinsichtlich ihrer Sprachauswahl und -gestaltung, aber die Unterschiede im Denken verschiedensprachiger Völker erklärt vorrangig doch nur eines: Ihre jeweilige Sprache. Insofern stattgegeben und eingetaucht:

Süddeutsche Zeitung, 16.04.2010, Titel: Wie prägt die Sprache unser Denken?

Anhand zahlreicher lebendiger Beispiele aus dem spannenden Alltag linguitisch-empirihscer Untersuchungen verdeutlicht Lera Boroditsky, dass Sprachen unterschiedliche Anforderungen an ihre Sprecher stellen, um aus verschiedenen Aspekten heraus denselben Sachverhalt unterschiedlich darzustellen. Aboriginees benutzen zur Bezeichnung räumlicher Verhältnisse anstatt links und rechts einen absoluten Bezugsrahmen (sind sich also stets der Himmelsrichtungen gewahr). Dies zeigte sich bei ihnen auch bei der Durchführung eiens Versuchs, aufeianderfolgende Bildkarten in der richtigen Reihenfolge zu ordnen: Sie legen sie stets von Ost nach West, abhängig davon, in welche Richtung sie dabei sitzen und blicken.

Das bedeutet, dass die räumliche Orintierung auch Zeitvorstellungen betrifft, ebenso wie die von Zahlen, Musik, Verwandtschaftsverhältnissen, Ethik und Gefühlen. Im Mandarin spricht man nicht vom nächsten Monat als vom dem, der „vor uns liegt“, sondern vom „unteren Monat“. Dies Raumvorstellung ist also eher vertikal als horizontal bestimmt. Aber selbst innerhalb Europas weichen viele Vorstellungen und Begrifflichkeiten voneinander ab: Während im Englischen und im Deutschen ein Gespräch „kurz“ oder „lang“ ist, ist es im Spanischen und im Griechischen eher „viel“, „groß“ oder „klein“.

Um festzustellen, ob die Unterschiede im Denken von der Sprache oder eher von der Lebensweise der Sprecher abhängen, haben die Forscher an der Stanford University und am Massachusetts Institute of Technology Englischsprechern wie im Griechischen Mengenmetaphern zur Beschreibung von Zeiträumen oder wie im Mandarin vertikale Metaphern zur Darstellung von Reihenfolgen beigebracht. In der Folge glichen sich die Kognitionsleistungen (die mentalen Prozesse) denen der Griechisch- und Mandarin-Sprecher an. Ergo: Wer eine Sprache lernt, lernt auch eine neue Art zu denken.

Weitere Unterschiede zwischen Sprachen betreffen zum Beispiel die Anzahl und Verwandtschaft von Farbwörtern, die Anzahl und Anwednung von grammtikalischen Geschlechtern (bis zu 16 verschiedene bei manchen australischen Ureinwohnern). Aber auch hier wird deutlich, wenn etwa ein Spanier und ein Deutscher eine Brücke beschreiben, so erhält der Gegenstand männliche Attribute im Spanischen, wo er männlich ist, und weibliche im Deutschen, wo er weiblich ist. Im Russischen dagegen muss ich in einem Satz „Mein Stuhl war alt“ alle Wörter aus Stuhl auf das Geschlecht anpassen. Die Gegenstände erhalten von Russissch-Sprechern noch weit ausgeprägtere typisierte Attribute. Da alle Substantive ein grammatikalisches Geschlecht aufweisen, stellt dieser Umstand doch eine erhebliche Prägung unseres Denkens, jedenfalls unserer Kognition dar.

Die Forschungen zeigen insgesamt, so schließt die Wissenschaftlerin, dass linguistische Prozesse für die meisten Bereiche unseres Denkens von grundlegender Bedeutung sind. Somit habe die Sprache tiefgreifende Auswirkungen auf unser Denken, unsere Weltsicht und unsere Lebensführung. Dennoch bin ich nicht letztlich überzeugt. Zweifellos wächst jeder Muttersprachler in einem eigenen Sprach- und Kulturraum auf. Teil jeder Kultur ist, die Dinge soundso wahrzunehmen, zu bezeichnen und sich über sie zu äußern. Denn Sprechen ist nichts anders als der „Bewusstseinsakt“, Gedanken zu äußern. Insofern gleicht die Frage, ob das Denken die Sprache beeinflusst oder die Sprache das Denken, ein bisschen der Frage nach dem Huhn und dem Ei.

Plan gescheitert und doch gewonnen

Sonntag, 18. April 2010

Die RTL-Vermarktungsmaschine hat offenbar gegen den Plan der Jury Mehrzad Marashi als Sieger der Catsingshow „DSDS“ hervorgebracht. Fragwürdig sind zahlreiche Details der Finalshow als auch – wie schon seit Jahren diskutiert – das Sendekonzept selbst. Unfraglich haben die Zuschauer mit ihrem Voting aber die richtige Entscheidung getroffen.

Welt, 17.04.10, Titel: Dandy versus Ex-Knacki

Mit dieser Überschrift hat die Welt das gestrige Finale noch vergleichsweise moderat angekündigt. Nur am Ende kommt zur Sprache, dass der Gegenkandidat Menowin Fröhlich eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetzt am Hals hat. Boulevardblätter hatten das Thema weit ausführlicher ausgebreitet. Immerhin war der Mitkandidat Helmut Orosz wegen der Einnahme von Kokain zu einem früheren Zeitpunkt aus der Show ausgeschlossen worden. Genau diese Geschichten rund um die Kandidaten sind es aber, die die Sendung und der Sender willentlich in Kauf nehmen, um die Quoten zu erhöhen.

So wurde auch Hauptjuror Dieter Bohlen gestern als „Quotengott“ gefeiert. Offensichtlich versuchte er gemeinsam mit seinen Beisitzern Sylvie van der Vaart (in vwertretung der aufgrund des Flugverbots in Los Angeles festitzenden Nina Eichinger) und Volker Neumüller Menowin Fröhlich zum Sieg zu verhelfen. Der umstrittene Sänger erhielt einen Aufrtit mit Kindern, setzte sich in der zweiten Runde mit seiner „Billy Jean“-Interpretation gegenüber der Kool and the Gang-Nummer „Fresh“ gegenüber Mehrzad durch und hatte auch bei der Darbietung der Siegernummer eine Tanzgruppe im Hintergrund, im Gegensatz zu seinem Kontrahenten. Diesem fiel dagegen bei der letzten Nummer die Ohrbeschallung aus, was seiner starken gesanglichen Leistung jedoch keinen Abbruch tat und damit seine Reife  dokumentiert.

Hinzu kamen Irritationen in der laufenden Woche, wonach bei Amazon bereits die Siegersingle, gesungen von Menowin, angeboten wurde. Selbstverständlich haben ebreits beide Finalistend as Lied einegsungen, sodass es nun schnell vermarktet werden kann. Kein Zweifel, wird die in aller Routine solide von Dieter Bohlen geschriebene und produzierte Allerwelts-Siegernummer „Don’t Believe“ auch ein wirtschaftlicher Erfolg werden. Obwohl er und seine Cojuroren sich gestern für den in zahlreichen Einspielern inszenierten „Tränendrüsen-Kandidaten“ ausgesprochen haben und dieser nicht gewann, besteht auch kein Zweifel daran, dass Bohlen dennoch seinen Schnitt machen wird mit dem meiner Meinung nach besseren Sänger mit der weniger problematischen Vita. Wie die Medienhysterie wird auch das Interesse an diesem vorgeblichen Superstar schnell vorübergehen – bis zur nächsten Staffel von „DSDS“.

Welt am Sonntag, 18.04.2010, Titel: Heidi Klum, übernehmen Sie!

Nachtrag: Sehr interessant ist der Aspekt, den Ulf Poschardt im Leitartikel der Welt am Sonnatg thematisiert, wonach eine „globale Leitpopkultur“ für die Integration junger Migranten wichtig ist. So fiele eine neue Studie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge überraschend positiv aus, eine Mehrheit der Migranten sei in Deutschland hervorragend integeriert und „aus dem ozialen Allerlei der Bundesrepublik nicht mehr wegzudenken“. Die Ursache der noch bestehenden Probleme lägen nicht an den „vermeintlich xenophoben Deutschen“, sondern vor allem am mangelnden Integrationswillen einiger Zugewanderter.

So habe Deutschland- fernab von einem Karneval der Kulturen, der mit dem Alltag nichts zu tun habe – aktuell hauptsächlich Probleme mit „integrationsskeptischen Türken“. Eine erfolgreichere Integration („Bildung in Verbindung mit harten Sanktionen im Falle der Verweigerung“) vor allem dieser Gruppe würde Deutschland wirtschaftlich deutlich voranbringen. In diesem Sinne bildeten Castingsshows à la „Topmodels“ und „Superstars“ die gemeinsamen Träume von Jugendlichen in Deutschland gleich welcher Herkunft dar, wobei sich die unterschiedlcihen Traditionen als Gewinn erwiesen.

Krise? – Welche Krise?

Samstag, 17. April 2010

In Anspielung auf das Album der Band „Supertramp“ aus dem Jahr 1975 weise ich auf zwei Artikel hin, die sich mit der Verknappung des Rohstoffes Papier beschäftigen. Andreas Rosenfelder behandelt in der Welt die Ursachen für den teurer werdenden Zellstoff, während Michael Gassmann in der Financial Times Deutschland bereits zuvor die deutlich erhöhten Preise thematisierte. Demnach warnten Hersteller bereits vor Engpässen.

Welt, 14.04.10, Titel: Angst vor der Papierkrise

An ernsthafte dauerhafte Engpässe ist vermutlich noch nciht zu denken, aber alleine das Gedankenspiel in der Welt – aufgehängt an der aktuellen Diskussion über den iPad – lässt eien Zukunft vorherahnen, in der es Bücher nur noch als äußerst rare Luxusartikel gibt. Als Gründe für die Verknappung nennt Andreas Rosenfelder den Streik von Holzarbeitern in Finnland, das Erdbeben in Chile sowie die boomende Wirtschaft in China, wo es neben wenigen Bambuswäldern keine entsprechenden Rohstoffquellen gibt: „Deshalb kauft China den europäischen Markt leer, auf dem die Preise letztes Jahr einen historischen Tiefstand erreicht hatten.“

FTD, 12.04.10, Titel: Bei Kartonagen stockt der Nachschub

Demnach würden deutsche Papierfabriken bereits im Sommer die Preise um zehn bis zwanzig Prozent erhöhen müssen. Daher würden einige Bücher bereits anstatt auf hochweißem auf billigerem Papier erscheinen, so das Kochbuch von Sophie Dahl beim Berlin-Verlag, die neuen Reportagen von Benjamin von Stuckrad-Barre bei Kiepenheuer & Witsch oder die Neuauflage von Eckhart vion Hirschhausen bei Rowohlt.

Allerdings – so Michael Gassmann in der FTD – hätten sich auch die Lieferfristen für Karton von einem halb Monat auf bis zu drei Monate erhöht. Der Rohstoff Altpapier habe sich binnen eines Jahres von 2,50 Euro pro Tonne auf mittlerweile bereits 85 Euro mehr als verdreißigfacht. Diese Entwicklung beträfe auch andere wiederverwertete Rohstoffe. „Grund für den gegenwärtigen Nachfrageboom seien Exporte  nach China“, wird dort ebenfalls ein Experte zitiert. Als weltgrößter Importeur von Altpapier beziehe China rund 33 Millionen Tonnen jährlich.

Also doch Zeit sich mit E-Books auseinandersetzen? Die Auswirkungen könnten noch sehr viel weit reichender sein, denn die Teuerung dürfte neben Büchern und Zeitungen auch Servietten und Toilettenpapier und vor allem Karton-Verpackungen aller Arten – von Lebensmittelumverpackungen bis hin zu Elektrogeräten und vieles weitere mehr betreffen.

Neues aus der Tierwelt 2

Donnerstag, 15. April 2010

Dieses mal mit vegetarischen Waranen,  sterbenden Möwen am Rhein und sich vermehrenden Hirschen im Harz. Drei Meldungen, die allesamt aus der „Welt“ stammen. Das macht die Tageszeitung mit dem Allerweltsnamen einfach für den Durchschnittsleser so sympathisch, dass sie im Gegensatz zu den anderen großen Wirtschaftszeitungen auf ihrer Wissenschaftsseite ein „Herz für Tiere“ hat. Gleichzeitig lässt sich auch noch frei auf die Artikel verlinken, das müssen wir als Luxus auffassen!

Welt, 10.04.10, Titel: Vegetarischer Waran entdeckt

Der vegetarische Waran, dachte ich erst, dabei handelt es sich wohl um den Ve…-gan!? Aber nein, weit gefehlt, es ist nicht mal die erste Sorte einer sich pflanzlich ernährenden Riesenechse, sondern die dritte. Aber diese Komodowarane von der Philippinen-Insel Luzon könnten laut Welt-Bericht dazu beitragen, „dass die Philippinen als ein wichtiges Land für die Biodiversität anerkannt würden“ -wo doch die Entdeckung neuer, großer Tierarten immer seltener wird.

Welt, 12.04.10, Titel: Was tötet die Rhein-Möwen?

Im Gegenteil, bekanntlich bestehen rote und schwarze Listen gefährdeter resp. ausgesstorbener Tierarten, meist durch menschliches Verschulden. So sind aktuell die Rhein-Möwen zwischen Wiebaden und Mainz in Gefahr, an Unterkühlung zu sterben, wie ein Bericht verdeutlicht. Offenbar verursache ein Emulgator, dass sich im Gefieder „die schützende Fettschicht wie ein Waschmittel“ auflöse und die struppigen Tiere dann der Kälte nichts mehr entgegenzusetzen haben. Seit drei Jahren ist das Phänomen bekannt, aber die entsprechende Chemikalie kann nicht gefunden werden. Bis Klärung naht, ist es für viele der Lachmöwen zu spät.  (An dieser Stelle sei der Hinweis auf das Möwenlied von Christian Morgenstern erlaubt:

Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.

Ich schieße keine Möwen tot,
ich lass sie lieber leben.
Ich füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.

O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Wofern du Emma heißest sei
zufrieden ihr zu gleichen.

Welt, 12.04.10, Titel: Hirsche im Harz

Zu guter Letzt noch eine positive Nachricht aus dem Harz: Die Anzahl der dort lebenden Hirsche  nimmt zu! Leider wird dadurch auch die Abschussrate erhöht. Pro Jagdjahr sind es etwa 1.600 Tiere, die nur im Harz geschossen werden. Womit wir wieder beim Menschen wären… Allerdings tut er dies für die Natur, denn die Rothirsche als Rindenfresser, schadeten dem Artenreichtum im Harzer Wald, heißt es.  Manche werden immerhin doch noch stolze zehn Jahre alt. In diesem Zusammenhang auch noch der Verweis auf mein Gedicht: „Der Hirsch vomn heute„.

Aprilscherze am Gründonnerstag

Samstag, 03. April 2010

Das Osterfest wird mit dem Gründonnerstag eingeläutet, dessen Namen vom mittelhochdeutschen Wort für „greinen“ also „wehklagen“ stammt. Dass der 1. April in diesem Jahr auf diesen traurigen Tag fiel, tat den Scherzen jedoch keinen Abbruch. Interessant dabei, dass der erste aus einer Zeitung bekannte Aprilscherz aus dem Jahr 1774 ebenfalls mit Ostern zu tun hatte: Nicht nur Ostereier, sondern auch Hühner seien in allen möglichen Farben denkbar. Zur Züchtung müsse man nur die Umgebung der Hühner in der jeweils gewünschten Farbe anzustreichen. Das entlockt uns heute allenfalls ein müdes Lächeln.

Die Seite brauchtum.de führt noch weitere medial inszenierte Aprilscherze auf, so die Ankündigung der Stuttgarter Zeitung 2003, dass die Aldi-Kette plane in Zukunft in ihren Filialen Benzin zu verkaufen. In diesem Jahr gab es Meldungen über Billigflüge ins Weltall und neue Handynummern für alle EU-Bürger. Laut dpa-Meldung, zum beispiel bei der Gießener Allgemeinen seien Schlagzeilen über ein angeblich geplantes Porto von einem Cent für Emails am glaubwürdigsten gewesen. Der Aprilscherz war von 57 deutschen Rundfunksendern organisiert worden – bis in die Mittagstunden wurde auf allen Kanälen darüber diskutiert, welche Folgen die Gebühr haben wird.  Allerdings hat sich auch Galileo, das Wissensmagazin einen Aprilscherz erlaubt:

 

Noch etwas zur Herkunft des Montasnamens: Lateinisch „Aprilis“ soll nach Ovid von „aperire“ = öffnen kommen, weil der Frühling alles öffne. Das erste „in den April schicken“ ist in Bayern 1618 und im restlichen Deutschland 1631 belegt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts findet sich in Deutschland erstmals das Wort „Aprilnarr“, im 18. Jahrhundert formuliert Abraham a Santa Clara in „Etwas für alle“ (1733): „Heut` ist der erste April, da schickt man den Narren wohin man will.“