Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Neues aus der Tierwelt 1

Sonntag, 28. März 2010

Populärwissenschaftliche Erkenntnisse regen meine Fantasie gehörig an. So haben mich alleine in den vergangen vier Tagen drei Meldungen aufhorchen und nachdenken lassen: Vögel können sich am Körpergeruch erkennen, Schimpansen ist bewusst, dass sie sich irren können, beide von Rolf H. Latussek, und Wilde Tiere lieben die Stadt von Josef Reichholf. Naheliegend sind da natürlich läppische Bekräftigungen wie:  „Besonders gut erkennen sich die Deo-Rallen.“, „Einsicht ist der äffische Weg zur Besserung.“ oder „Vor allem lieben der Partylöwe und der Pleitegeier die Stadt, denn da ist ja auch oft der Bär los.“.

Welt, 25.03.10, Titel: Vögel können sich am Körpergeruch erkennen

Die erste Nachricht erinnert jedoch tatächlich an die zeitgleich verbreitete Geschichte von dem Architekten, der in Köln nach der Probezeit seinen Job verlor unter anderem wegen seiner angeblichen Ausdünstungen. Sollte der Chef doch froh sein, wenn er vogelgleich seine Mitarbeiter am Geruch erkennen kann. Abgesehen davon, dass nach der Probezeit überhaupt keine Begründung für eine Kündigung nötig ist, und dass die vorgebrachte Begründung hanebüchen war, bilden Gerüche unter Vögeln offenbar sogenannte „Fortpflanzungsbarrieren“. Indem unterschiedliche Populationen verschiedene Duftbukette produzieren, ermöglichen sie, dass sich daraus eigene Arten entwickeln. Unter der menschlichen Bevölkerung trennt auch eine eigentümliche Duftnote oft ganze Populationen. Dann heißt es: „Ich kann dich und deinesgleichen nicht riechen!“

Welt, 25.03.10, Titel: Schimpansen ist bewusst, dass sie sich irren können

Die zweite Meldung vertieft das Bild des denkenen Affen: Irren ist demnach nicht mehr nur menschlich. Anhand einer Versuchsanordnung mit in einer Röhre versteckten Leckerbissen schlussfolgert Josef Call vom Max-Planck-Institut in Leipzig, dass die Schimpansen über Merkmale des „Wissens über das Wissen“ verfügten. Schon bald darauf könnte ein Selbstbewusstsein bei Affen festgestellt werden, das dem Rousseau’schen Ausspruch nahekommt: „Ich denke, also bin ich!“. Bis dahin ist die Einsicht: „Ich irre, also bin ich auf dem Holzweg.“ auch schon mal nicht schlecht. Hier macht sich nicht der Mensch zum Affen, sondern eher umgekehrt!

Welt am Sonntag, 28.03.10, Titel: Wilde Tiere lieben die Stadt

Zu guter Letzt überrascht da auch die Nachricht nicht, dass sich wilde Tiere in Großstädten besonders wohl fühlen. So birgt Berlin („Hauptstadt der Nachtigallen“) die reichhaltigste Vogelwelt Deutschlands, wohingegen die Artenvielfalt drastisch abnimmt, je weiter man aufs Land kommt. Gründe hierfür sind der Strukturreichtum der Stadt, magere Böden und die wärmeren und helleren Lebensbedingungen (gerade für viele nachtaktive Insekten). Insofern bieten Städte nicht nur die Nischen für die oben genannten Exemplare, sondern auch für Fledermäuse, Marder und Füchse – und natürlich für Stadtaffen aller Couleur.

Frühlingsimpressionen

Dienstag, 23. März 2010

Der Winter mag aus Sicht der Wetterforscher durchschnittlich gewesen sein – die meisten mir bekannten Leute empfanden ihn als langanhaltend und zäh. Der gefühlte Winter war demnach offenbar länger oder härter als der tatsächliche. Jedenfalls sind die Frühlingsboten nun nicht mehr zu übersehen, wie dieser Krokus auf dem Rasen vor der Tür.

Krokus im heimischen Garten

Die gestaltende Hand (in diesem Fall meiner Frau) macht den Frühling zu einer zauberhaften Zeit des sprichwörtlichen Erwachens, was der Blick auf die bepflanzten Blumenkästen vor der Haustür beweist.

Bepflanzte Blumenkästen vor der Haustür

Schreibt das nationale Boulevardblatt Nummer eins heute auch von einem Meteorologen, der in Haft sitzt, so treibt die Natur doch nach wie vor die schönsten Blüten, viel schöner jedenfalls als jeder reißerische Aufmacher.

Frühlingsblüte

Das Volkslied gilt: Winter ade – Scheiden tut weh.
Aber das Scheiden macht, dass mir das Herze lacht.

Bekanntlich sagen Bilder viel mehr als tausend Worte – daher zum Abschluss:

Krokusse im Garten

Öffnung und Identität passen zusammen

Dienstag, 16. März 2010

Die Welt, 11.03.10, Titel: Deutsch hat Zukunft

Am vergangenen Wochenende ist ein neues Buch des Germanistik-Professors und Autors historischer Kriminalromane Karl-Heinz Göttert mit dem Titel „Deutsch. Biografie einer Sprache“ erschienen. Dazu hatte die Welt  bereits vorab einen Auszug unter obigem Titel gebracht. Tenor: „Solange unsere Sprache offen bleibt für Veränderungen, braucht sich keiner um ihren Fortbestand zu sorgen“.

Zum Auftakt des Essays wendet sich der Autor gegen die These des Sprachwissenschaftlers Jürgen Trabant, wonach Englisch (resp. „Globalesisch“) an die Stelle des Hochdeutschen trete und  – ähnlich wie in der Schweiz – der Dialekt vor allem im familiären Gebrauch an Bedeutung gewinne. Daraufhin lässt er Zahlen sprechen: Von den weltweit rund 121 Millionen Sprechern des Deutschen leben rund 110 Millionen in Europa. Damit behauptet Deutsch einen Platz unter den Top Ten der meistgesprochenen Sprachen weltweit, wenn auch freilich hinter dem Englischen (427 Millionen Sprecher weltweit, aber nur 61 Millionen in Europa). Zusammen mit den Fremdsprachlern überwiegen die des Englisch Mächtigen jedoch auch in Europa: 51 Prozent aller Europäer sprechen Englisch, Deutsch aber „nur“ 31 Prozent und Französisch sogar „nur“ 28 Prozent.

Darauf aufbauend rückt Karl-Heinz Göttert die Perspektive zurecht: Englisch, so seine These, ist das neue Latein als freie Sprache (lingua franca), wenn auch mit Abstrichen, denn Latein war im Gegensatz zum Englischen nie eine Muttersprache. Vor allem für Deutschland schlussfolgert er: „das Modell einer Übereinstimmung von Sprache und Nation im Sinne des 19. Jahrhunderts (…) wird immer wirklichkeitsfremder“. Deutschland müsse sich gerade in seiner Sprachpolitik auf Migranten und ihre deutschen Nachfahren einstellen („Deutsch lernen, ohne auf die Muttersprache zu verzichten“). Während das Deutsche von außen also Englisch bedrängt und es von innen im Wettbewerb mit zahlreichen anderen Sprachen steht, bestehe dennoch kein Anlass zur Sorge.

Am Beispiel des Einwanderungslandes Australiens verdeutlicht er mit dem neuseeländischen Germanisten Michael Clyne , dass eine „Wende zu Mehrsprachigkeit und Multikulturalität“ eine Nation in keiner Weise schwächen müsse: „Die Zukunft des Deutschen liegt darin, sich in einem vielsprachigen Europa und einer mehrsprachigen Deutschland zu behaupten.“ Einheit und Vielfalt müssten zusammengedacht werden, fordert er weiter, und: „Die Herausforderung ist nicht, die eigene Identität aufzugeben, sondern sie mit anderen zusammenzubringen.“ Heute ginge die Mehrsprachigkeit erstmals nicht von Gebildeten aus, sondern werde von der Globalisierung aufgezwungen. Abschließend urteilt er, wir müssten uns vor einer weiteren Öffnung Deutschlands nicht fürchten, insbesondere, wenn wir unsere Geschichte kennten. Richtig, zu beidem besteht keine Alternative: Die Geschichte zu kennen und sich weiter zu öffnen.

Internet-Bestandsaufnahme für den Bundestag

Freitag, 05. März 2010

Nachdem es nun mal keinen Internet-Minister in Deutschland geben soll – wofür auch, gibt es vielleicht einen Zeitungs- oder Fernsehminister? – will sich der Deutsche Bundestag nun aber doch informieren über den Stand der Dinge in Sachen World Wide Web. Das hat der Kölner Stadt-Anzeiger heute in einem Artikel mit der nachfolgenden Überschrift berichtet. Dabei hat der IT-Branchenverband Bitkom doch erst in dieser Woche eine ausführliche Analyse der Bedeutung des Internets für den Alltag in Deutschland abgelegt.

Kölner Stadt-Anzeiger, 05.03.201, Titel: Das Verhältnis von Internet und Gesellschaft

Eine Enquete-Kommission des Bundestag aus nicht weniger als 17 Parlamentariern udn 17 Experten untersucht das Thema „Internet und digitale Gesellschaft“, sprich die Auswirkungen des Netzes auf das das Leben. Mit einem Abschlussbericht ist bereits 2012 zu rechnen. Hoffentlich sind dann auch bereits die neuesten Tendenzen berücksichtigt. Sehr schön am Rande die Aussage des Kommissionsvorsitzenden Axel E. Fischer (CDU): „Die digitale Revolution muss gestaltet werden.“ Das aber sicher nicht von der Politik, da hätte wohl besser gepasst: „… muss verwaltet werden.“ Dabei hatte Anfang der Woche in diesem Zusammenhang auch die Welt berichtet:

Die Welt, 02.03.2010, Titel: Kein Entkommen

Gemeint war damit allerdings nicht die umspannende Netzwirkung des Internets als sei es das Werk einer erdumspannenden Spinne, sondern nur diejenige von sozialen Netzwerken. Einer Studie von Convios Consulting im Auftrag der United Internet AG zufolge sind bereits 93 Prozent aller 20-24-Jährigen bei einem Sozialen Netzwerk angemeldet. Führend ist demnach derzeit noch www.wer-kennt-wen.de (25 Prozent) vor www.facebook.de (22,7 Prozent) und www.studivz.de (14 Prozent). Dahinter folgen MySpyce und Xing mit immerhin auch noch gerade zweistelligen Prozentanteilen.

www.stayfriends.de nähme mit seinen 30 prozent Marktanteil alleridngs eine Sonderrolle ein, da es hierbei vorrangig um Freundessuche und nicht um das tägliche Chatten gehe. Von Belang allerdings noch die Zeitangabe, wonach die Deutschen durchschnittlich 2,7 Stunden täglich in den sozialen Netzwerken aktiv sind. Selbst das US-Militär erlaube seinen Soldaten mittlerweile auf den eigenen Computern die Nutzung der beliebten Dienste, weil sie zu einem „wesentlichen Bestandteil“ für die Kommunikation mit der Öffentlichkeit geworden seien. Mit freundlichen Grüßen an die Internet-Enquete.

Mehl statt Mails

Donnerstag, 04. März 2010

Freunden und Bekannten gegenüber, die mich fragen, ob ich auch etwas Richtiges gelernt habe, werde ich nicht müde zu betonen, dass mich dann das Bäckerhandwerk stark fasziniert hätte. Frühes Aufstehen schreckt mich nicht, da bin ich einigermaßen flexibel. Aber der Umgang mit den guten Zutaten für gelungene Backwaren, der hätte mich in der Tat gereizt, da ich die vielen guten Produkte doch auch so leidenschaftlich gerne esse.

Ich bin mir dessen bewusst, damit das deutsche Klischee des Brotessers zu bedienen, daher möchte ich noch einmal darauf hinweisen: Ich hab das Handwerk nicht gelernt. Aber es ist doch besonders schön zu sehen, wie diese hohe Kunst nun Eingang in die Werbung findet – und das vor dem Hintergrund, dass die Brotproduktion bei Lieken heute ganz bestimmt ganz anders abläuft. Zunächst der Werbespot, der sich vom Mehlsack bis zum Nasenmodel groovt:

Nun aber noch die Entstehungsgeschichte eines Brotes, von einer Künstlerin in Mehl gemalt (im Original unter www.liekenurkorn.de). Die israelische Künstlerin heißt in Ergänzung zur kurz gehaltenen Pressemitteilung Ilana Yahav und betreibt eine Website „Sandfantasy“ mit weiteren Animationsvideos:

Wochenend-Presseschau 08-10

Montag, 01. März 2010

Zwei mal die Welt vom Samstag und einmal die Welt am Sonntag sind mir hängen geblieben, was keine Bevorzugung gegenüber anderen Tageszeitungen darstellen soll, sondern lediglich ein Abbild dessen ist, was meine Interessenlage spiegelt. Eine Kolumne von Maxeiner und Miersch zur Abwanderung aus Deutschland, ein Sonntags-Beitrag von Roger Schawinski über die zunehmenden Animositäten zwischen Deutschland und der Schweiz sowie ein Kommentar von Thomas Heuzeroth zu Apples Entscheidung, keine Dividende auszuzahlen.

Welt, 27.02.10, Kolumnen-Titel "Deutsche Fluchten"

Besonders illustrativ in der Kolumne „Deutsche Fluchten“ ist der Vorschlag von Maxeiner und Miersch, eine „Kapitalfluchtuhr“ zu installieren, entsprechend der bekannten Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler. Alle vier Minuten verlasse ein Deutscher das Land, meist gut ausgebildet auf Kosten des Staates – über die jeweilige Mixtur der tatsächlichen Gründe darf spekuliert werden. Die Steuerflucht spiele bei all denen, die sich bisher nicht selbst angzeigt hätten, neuerdings ebenfalls eine zunehmende Rolle. Bei allem Interesse für die langfristigen Auswirkungen und für Möglichkeiten, den negativen Folgen dieses Trends entgegenzuwirken, beschäftigt mich aber vor allem, wie es den Deutschen im Ausland in der Mehrheit wohl geht. Fühlen sie sich bald nicht mehr als Deutsche? Plagt sie irgendwann das Heimweh? Oder schließen sie mit der deutschen Identität gänzlich und freudig ab?

WamS, 28.02.10, Ausschnitt aus Beitrag von Roger Schawinski

Aus dem Hauptauswanderungsland der Deutschen, der Schweiz, stammt der Beitrag von Roger Schawinski, dem ehemaligen Sat.1-Chef in der Welt am Sonntag: „Deutsche sind vom Mars, Schweizer von der Venus“. Demnach hätten es nicht nur Schweizer in Deutschland, sondern auch Deutsche in der Schweiz extrem schwer – ein Eindruck, den ich bestätigen kann. Weder wird in der Schweiz hochdeutsch gesprochen (sondern Schwyzerdüütsch, dialektal: Höchstoberdeutsch – gegenüber Österreichisch: Niederober-deutsch), noch gleicht sich die Mentalität all zu sehr.

Schawinski spricht konkret von den Erlebnissen, dass er als Manager in Deutschland eine viel stärker hierarchisch aufgebaute Unternehmensorganisation vorgefunden habe, in der einerseits Ansagen erwartet, und andererseits unangemeldete Besuche bei und Gespräche mit Mitarbeitern als peinlich empfunden würden. Gleichzeitig nähme viele Deutsche in der Schweiz weder die kulturellen Unterschiede noch überhaupt schweizerische kulturelle Errungenschaften wahr. In diesem Zusammenhang steht der obige Ausriss. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Schweizer nicht nur die häufig demonstrierte Überheblichkeit der Deutschen stört, sondern ganz besonders ihre Hektik.

Welt, 26.02.10, Kommentar-Titel "Nur Jobs kann sich das leisten"

Ganz ruhig dagegen scheint Steve Jobs seinen Weg der Marktwertsteigerung seines Unternehmens Apple zu verfolgen. Der Aufmacher im Wirtschaftsteil der Welt vom vergangenen Samstag wurde mit einem großen Kleinbuchstaben „i“ und drei ebenso großen Fragezeichen dahinter bebildert. „Apple hortet Bares für das nächste große Ding“  ist ein toller Titel für das Unternehmen, das gerade erst das flache Brett „iPad“ herausgebracht hat. Im Kommentar meint Thomas Heuzeroth, dass der resolute Unternehmenschef keine Dividende auszuzahlen brauche, weil die Aktie innerhalb eines Jahres von 80 auf 200 Dollar gestiegen sei. Wer braucht da noch Dividende?

Mit milliardenschwerer Kasse sei es leichter wehrhaft zu bleiben, besonders weil Google derzeit fast alles kaufe, was sich bewege. Dividende hingegen bräuchten unter anderem Unternehmen, denen „die Welt verändernden Einfälle ausbleiben, wie beispielsweise bei der Deutschen Telekom, die weiterhin hohe Gewinne ausschüttet.“ Apples Investoren gewinnen demgegenüber an der Aktie, die bekanntlich von der Fantasie lebt. Und man mag nun Fan der gestylten Produkte sein oder nicht, aber eine Perspektive wie 25 Apple-Stores innerhalb zweier Jahre in Fernost, die regt die Fantasie nun mal definitiv an. Außerdem will Jobs vielleicht eher selber ein Unternehmen kaufen, als befürchten zu müssen gekauft zu werden.

Neue Verlagspläne fürs Netzgeschäft

Donnerstag, 25. Februar 2010

Unabhängig voneinander thematisieren heute das Handelsblatt und die FAZ Absichten der Zeitungsverlage, über das Internet-Geschäft „Werte zu schöpfen“, wie es so schln heißt. In seiner wöchentlichen Handelsblatt-Kolumne „Littmanns Marken-Zeichen“ lässt sich Peter Littmann, Partner der Markenberatung Brandinsiders, über das iPad als vorgebliche Rettung für die Zeitunsgverlage aus. In der FAZ wird nur kurz über die Absicht von Gruner+Jahr berichtet, eine für alle Verlage offene Technologieplattform aufzusetzen.

FAZ, 25.02.10, Titel: Plattform der Verlage

„Erst eine Hakelei, dann ein Bündnis“, beginnt der mit „miha“ unterzeichnete Kurzbeitrag. Nach der Kritik von WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach an einem zunächst kostenlosen FTD-App aus dem Hause Gruner+Jahr fand er doch mit dessen Geschäftsführer Bernd Buchholz zusammen. Während das FTD-App nun gestaffelt kostenpflichtig ist, siond sich beide einig, dass das kostenlose Tagesschau-App gebührenfinanziert ist und damit „nicht den gleichen Marktgesetzen“ wie Business-Modelle privater Anbieter unterliegt. Daher gehen sie nun „im Schulterschluss“ mit einer Art „Online-Kiosk“ dagegen vor. Dieser sei vom Deustchen Pressevertrieb zusammen mit Bertelsmann initiiert und sei daraufhin konzipiert, über Verlagsgrenzen hinweg mit ein- und demselben Paid-Content-Modell zu arbeiten. Lassen wir uns überraschen!

Handelsblatt, 25.02.10, Vorspann Littmanns Marken-Zeichen

Peter Littmann analysiert gewohnt scharfsinnig, dass die Diskussion in den USA als Vorreiter für hiesige Auseinandersetzungen aktuell nicht nur die Rettung der Zeitungsbranche, sondern sogar der Werbeindustrie durch das iPad thematisert. Meine Haltung zu dem Gerät hatte ich bereits geäußert. Wenn andere ähnlich pragmatisch denken: „Wozu so ein eingeschränktes Hilfsgerät?“, dann sehe ich der möglichen Doppelrettung eher skeptisch entgegen. Apple jedoch solle wie schon bei kostenpflichtigen Musik-Downloads nun erneut den Vorreiter in Sachen „Qualität ist ihren Preis wert“ machen, wird der Kolumnist David Carr angeführt.

Allerdings sieht auch Peter Littmann mit den neuen Touch Screen-Geräten ein Ende der Kompatibilität von Techniken und Formaten gegeben, das einer Erfolgsgeschichte zuwider läuft. Vor allem, weil Flash aktuell auf den iPads noch nicht läuft, dürfte es die Online-Werbung auf diesem Gerät besonders schwer. Daher ist seine Conclusio (kurz gefasst), dass es qualitativ hochwertige Printinhalte ebenso schwer haben dürften, „wenn die Betreiber der neuen Plattformen gleichzeitig die Werbung im Netz behindern.“

Das richtige Leben im falschen Körper

Freitag, 05. Februar 2010

Die Sozialkritikerin Naomi Wolf hat in einem Gastkommentar in der Welt darauf hingewiesen, dass „Avatar“ der erste Hollywood-Blockbuster ist, der Amerika aus der Perspektive der übrigen Welt kritisch darstellt. In Verbindung  mit dem unterbewussten Schuldgefühl der Amerikaner im Zusammenhang mit dem Krieg gegen den Terror (bzw. dem gegen Vietnam) stelle der Film eine „irrationale Traumarbeit“ dar, die den tatsächlichen Zustand der USA (bzw. ihres kollektiven Unterbewussten) wahrheitsgetreuer abbildet als dies jede offizielle Erklärung könnte.

Die Welt, 05.02.10, Titel: Was uns "Avatar" sagt

Damit dürfte der Film wesentlich dazu beitragen,verdrängtes Wissen über ihre seichte nationale Mythologie zu Tage zu befördern. Während der querschnittsgelähmte, weiße Held – durch die Avatar-Technologie zu Gehversuchen in einem anderen Körper befähigt – anfangs noch ungläubig fragt: „Was bin ich, der Schurke?“, kommt er später zur Erkenntnis, dass die auf dem Planeten Pandor zur Zielscheibe gewordenen Ureinwohner zu Recht kein Interesse an der Lebensform der Menschen haben: „Wir haben nichts, was sie interessiert.“

Die Kernfrage ist für mich, ob aus dem Held im Vorgang der Transformation von einem Menschen zu einem „Na’vi“ ein anderer wird? Ändert er nur seine äußere Hülle oder ändert er damit auch seinen Charakter, sein Selbstbewusstsein? Zweifellos ändern sich mit der fiktiven Vorstellung, einen anderen Körper einzunehmen, die Selbstwahrnehmung, das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein. Der Einfachheit halber stellt sich der Held des James Cameron-Films am Ende im anderen Körper aber noch immer als derselbe Jack Skully dar. Aber gehen wir davon aus, dass er dies nicht auf Dauer bleiben könnte.

Bereits Mitte vergangener Woche hat Thomas Lindemann ebenfalls in der Welt eine Betrachtung des Avatars als „prägende Figur der Popkultur“ vorgenommen. Der Verlust des Ichs wird in der Umschreibung Siegmund Freuds zitiert als „nicht mehr Herr im eigenen Haus“ zu sein. Dabei suggerierten Filme wie „Avatar“ und „Surrogates„, ein anderer sein zu können. Nichts anderes geschieht bei online Rollenspielen von „Second Life“ bis „World of Warcraft“ – vorübergehend spielerisch ein anderer zu sein. Die genannten Filme (ähnlich in „Matrix“) warten allerdings mit der Visison eines lebensumfassenden, auf künstlichen Zweitkörpern basierenden Systems auf. Das Andere im Film „Avatar“: die Welt der Außerirdischen ist die bessere, das Leben im Avatar ist in der Fiktion objektiv zu bevorzugen. Den Unterschied zu den vergleichsweise stumpfen Video- und Onlinespielen mache das „Ringen um Identifikation und Erlösung“ aus. Mit dem Avatar-Prinzip verbunden sei jedoch die Angst, „dass es in uns  selbst eigentlich leer und tot sein könnte – wie in einem abgeschalteten Avatar“.

Die Welt, 27.01.10, Titel: Es gibt doch ein richtiges Leben im falschen

Schade, dass die kleine Abhandlung von Thomas Lindemann das im Titel zitierte Wort Adornos nicht thematisiert. Die berühmte Aussage „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ behandelt im Umfeld ihres Erscheinens die Möglichkeit der moralischen Ausrichtung des menschlichen Handelns (Theodor W. Adorno: Minimalia Moralia I, 18, Gesammelte Schriften, Band 4, S. 19). Eine Auslegung könnte davon ausgehen, dass das Leben in seiner Gänze falsch ist (eine Deutung, die der destruktiven Grundhaltung Adornos angesichts einer vom Massenmord der Nationalsozialisten überschatteten Moderne nahekommt), dann aber bliebe demgemäß kein Ausweg, richtig zu handeln (im Sinne einer Generalentschuldigung für jedes Vergehen). Die Bedeutung, die viele Autonome dem Satz zukommen lassen, in einem falschen System dennoch ein richtiges (politisch angemessenes) Leben zu führen, entspricht dennoch nicht Adornos Intention in der 18. (von 153) Miniaturen, bezeichnet „Asyl für Obdachlose“.

Er schrieb zwar andernorts vom Totaliären der Aufklärung, dem Hang des Rationalen zur Beherrschung und Unterdrückung und von der verwalteten Welt, dennoch geht es darum, in der fremden Behausung (der Entfremdung) den Sinn für die Angemessenheit dieses  Asyls zu erkennen. Bewusste Entfremdung vom Kindheitsideal der heilen Welt erscheint demnach als einzig richtige und moralisch vertretbare Reaktion auf die Grausamkeit der Vernunft, des Totalitären, der Shoah. Das Leben unbeeindruckt vom eigenen schlechten Gewissen fortführen zu wollen, als hätten Massenvernichtungen nicht stattgefunden, das ist hier das falsche Leben, in dem es kein richtiges Leben geben kann.

Damit scheint Adorno zugleich eine verblendete Grundhaltung ausschließen zu wollen, um sich überhaupt die Möglichkeit für richtiges Tun offen halten zu können. Allerdings – um einerseits auf das Prinzip „Avatar“ zurück zu kommen – erweist sich das Leben in einem fremden Körper als eine deutliche Entfremdung gegenüber dem ursprünglichen (natürlichen) Menschsein, und – um andererseits auf den gleichnamigen Film zurückzukommen – erweist sich der „Umzug“ in den Avatar-Körper vor dem Hintergund eines erwachten Unrechtsbewusstseins als die Flucht nach vorne in ein (idealisiertes) „richtiges Leben“.

Weitere Avatar-Aspekte

Donnerstag, 04. Februar 2010

Abseits der philosophischen Spekulation, was das Erleben und Empfinden in einem fremden Körper bedeuten könnte (ich arbeite an dem Thema), hier ein aktuelle Neuigkeiten zum Kinospektakel des Jahres, „Avatar“ von James Cameron.

Die Welt, 01.02.10, Totel: Zahlenspiele um Avatar

In seinem Kommentar Anfang der Woche im Feuilleton der Welt stellt Hanns-Georg Rodek klar, dass Eintrittserlöse nicht alles sind. Zweat hat James Cameron mit seinem neuesten Meisterwerk seinen vorherigen Spitzenreiter (an Erlösen) „Titanic“ überholt. Doch die einfachste Zählweise, nämlich die nach Zuschauern sieht anders aus (Stand Anfang Februar 2010): Hier führt „Vom Winde verweht“ mit 504 Millionen gezählten Zuschauern vor „Krieg der Sterne“ (436) und „Titanic“ (355). Avatar dagegen nähert sich gerade einmal der 200 Millionen-Zuschauergrenze und müsste 255 Millionen erreichen, um in die Top Ten der meist gesehenen Kinofilme aller Zeiten einzusteigen.

Zu berücksichtigen sei dabei allerdings auch die Medienlandschaft, so der Autor weiter, während bei „Vom Winde verweht“ das Kino konkurrenzlos war, lief „Titanic“ bereits gegen Fernsehen und Video an, heute hat die Konkurrenz mit DVD und Internet noch deutlich zugenommen. Am rande auch interessant, wie die Welt vom heutigen Donnerstag berichtet, rettet „Avatar“ durch die Eintrittserlöse aktuell den angeschlagenen Medienkonzern „News Corporation“ von Rupert Murdoch. Als Hauptaktionär könnte er dank des Erfolgs die Überlebensdauer des defizitären deutschen Bezahlfernsehens Sky (vormals Premiere) verlängern helfen.

Kölner Stadt-Anzeiger, 02.02.10, Titel: König der Kinowelt

Neben den rund zwei Milliarden Dollar Einnahmen trägt die neunfache Oscarnominierung ebenfalls zum weiteren Erfolg des Blockbusters bei. Die Nominierungen betreffen auch die Klönigsklassen Bester Film und Beste Regie. Zudem muss erwähnt werden, dass Murdoch, der übrigens entschieden gegen die Gratiskultur im Internet ankämpft, auch mit den Kinofilmen „Ice Age 3“, „X-Men Origins: Wolverine“ und „Nachts im Museum 2“ sowie mit dem TV-Sender Fox guten Umsatz machte. Zuletzt legte sogar das Zeitungsgeschäft zu. Aber zurück zum Thema: Bei der Popularität war es nur eine Frage der Zeit, bis das Avatar-Prinzip sogar seinen Einzug in die Welt der Karikaturen feiert, bzs, in die Karikatur in der Welt vom Samstag, den 23.01.2010.

Die Welt, 23.01.10, Lafontaines Avatar-Karikatur

Grenzen der Vielsprachigkeit

Mittwoch, 27. Januar 2010

Das Video von Günther Oettinger, dem bisherigen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und künftigen EU-Kommissar, ist zwar schon vier Tage alt, aber einfach zu schön und auch sinnig aufbereitet. Er kann einem ja schon leid tun, wie er sich da abringt und durch das Manuskript müht, das er augenscheinlich selbst kaum versteht. Da wäre in Abwandlung des Werbeslogans für seine Heimat eigentlich der Zusatz fällig: „Wir können alles außer Hochdeutsch und Englisch“.

Umgekehrt muss der neutrale Betrachter da doch wieder einmal den US-Präsidenten Barack Obama loben, der nicht nur deutsch, sondern sogar schwäbisch perfekt zu beherrschen scheint – zumindest, wenn man dem lustigen Beitrag des Südwestrundfunks aus dem vorigen Jahr glauben darf, anlässlich der alljährlichen Eigentümervollversammlung des Wohnblocks Wilhelmstraße 48…